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Figurentheatertage: Theater des Lachens präsentiert Kleist-Essay über Marionetten

Von Theorie und Praxis Figurentheatertage: Theater des Lachens präsentiert Kleist-Essay über Marionetten

Heinrich von Kleist hat sich über vieles Gedanken gemacht, über das Leben im Großen und Ganzen, aber auch über Details. „Über das Marionettentheater“ beispielsweise. Ihm hat der Dichter den gleichnamigen Essay gewidmet. Da kann leicht die Idee aufkommen, den Text für die Marionettenbühne umzusetzen.

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Kleist und sein Gesprächspartner, geführt von Alice Therese Böhm.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Andererseits handelt es sich aber um einen Essay und ist deswegen doch eher theoretisch angelegt. Das Theater des Lachens aus Frankfurt/Oder ist das Wagnis eingegangen und hat eine Bühnenfassung des Essays entwickelt: „Kleist – Über das Marionettentheater oder Die Überwindung der Schwerkraft in drei Akten.“ Aufgegangen ist der Plan nur bedingt, wie das Gastspiel im Jungen Theater bei den Figurentheatertagen am Dienstagabend gezeigt hat.

Große Blätter liegen auf einem weißen Sockel. Wie von Geisterhand fallen sie plötzlich auseinander und zu Boden. Und dann fangen sie an zu tanzen. Drei Puppenspieler kommen auf die Bühne und spielen mit den hüpfenden und flatternden Blättern. Der Anfang der einstündigen Inszenierung ist wunderbar poetisch.

So glänzt das Spiel mit Figuren und Gegenständen. Es gibt noch einige solche Momente an diesem Abend. Bezaubernd sind sie, wenn die Marionette nur aus Kopf und Händen besteht, wenn die Spielerin sie auf Menschengröße wachsen lässt und zum Gnom schrumpfen. Wenn sie das Wesen in den weiten ihres Kleides verschwinden und plötzlich wieder hervorploppen lässt. Wunderschön wirkt auch der Tanz einer Marionette und zweier Menschen. Eine einstudierte, ganz einfache Choreographie, in der die Marionette den Menschen ihre Grenzen im Tanz aufzeigt.

Anstrengend allerdings wird es, wenn den Akteuren die spielerischen Mittel ausgehen. Wenn sie Kleists Essay folgen, geraten sie in einen theoretischen Diskurs über die Macht und Möglichkeiten des Marionettenspiels, der Glanz wird dabei langsam stumpf. Plötzlich schweben die Figuren nicht mehr elfengleich, sondern kreiseln immergleich und vor allen Dingen ein wenig zu lange um eine Achse.

Dann erscheint auch der kleistsche Schluss sehr konstruiert, dass reine Grazie nur in dem menschlichen Körperbau erscheine, der entweder keines oder ein unendliches Gewissen besitze: in der Marionette also oder in Gott. Nunja. Und das Lachen, das das Theater aus Frankfurt/Oder in seinem Namen trägt, das laut eigener Einschätzung einfaches Vergnügen unseres Lebens sei, das blieb an diesem Abend fast vollständig ausgesperrt.

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