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Filmproduzentin Katja Siegel spricht über ihren Beruf

Literarischen Zentrum Filmproduzentin Katja Siegel spricht über ihren Beruf

Regisseur, Kameramann, Cutter – fast jeder kann sich vorstellen, was bei diesen Berufen gemacht wird. Schwieriger sei es dann schon mit dem Filmproduzenten, gibt Katja Siegel zu.

Der von ihr produzierte Film „Prinzessinnenbad“ wurde 2008 bei der Verleihung des deutschen Filmpreises als beste Dokumentation ausgezeichnet. Er erzählt vom Leben dreier Mädchen aus Berlin-Kreuzberg, die sich immer wieder im Freibad „Prinzenbad“ treffen. „Der Produzent macht alles und nichts – man darf nur nicht beleidigt sein, wenn man nicht im Vordergrund steht“, erklärt sie ihren Beruf im Literarischen Zentrum in Göttingen. Ein Produzent sei wie ein Bauleiter, während der Regisseur den Stellenwert des Architekten habe.

Siegel, Jahrgang 1971, hat zuerst Jura studiert, dabei aber das Gefühl gehabt, „wie ein Mauerblümchen zu vertrocknen“. Sie absolvierte ein Praktikum „bei einem schrecklichen Film, dem ,Superweib‘  “, habe dort aber eine Menge von Regisseur Söhnke Wortmann gelernt. Mit diesem Wissen studierte sie an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg Produktion. Die praktische Ausbildung „fühlte sich an, wie wenn man eine Hose anzieht, die perfekt passt“, erzählt Siegel und lacht über beide Ohren.

Auf eigenes Risiko

Nachdem sie 2004 die Produktionsleitung für den Film „Requiem“ übernommen hatte, arbeitete sie von 2005 bis 2008 als angestellte Produzentin. 2008 gründete sie mit zwei ehemaligen Kommilitonen die Penrose Film in Berlin. Jetzt arbeitet sie auf eigenes Risiko, muss noch genauer kalkulieren, Filmförderung beantragen und nicht aufgeben, wenn diese nicht gewährt wird. Von zehn bis 20 Projekten würden „nur ein bis zwei gedreht“, sagt sie.

„Bei der Finanzierung muss ich das erste und letzte Wort haben, alles andere ist utopisch“, so Siegel. Deshalb kann es auch zu Spannungen kommen: Während dem Regisseur der Film oft eine Herzensangelegenheit sei, müsse der Produzent auch immer die Finanzen im Blick haben und so auch einige Wünsche abschlagen.

Den Beruf eines Produzenten hält sie für einen Frauenberuf: „Man muss multitaskingfähig sein, viel und gerne organisieren können und sich immer mit Befindlichkeiten beschäftigen, sensibel mit Wünschen umgehen.“ Umso verwunderlicher sei es, dass je größer die Projekte seien, desto weniger Frauen die Filme produzierten. „Die Frauen kommen“, ist sie sich allerdings sicher.

cob

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