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Aggressive Anmut

Niedersächsische Musiktage Aggressive Anmut

„Leidenschaft“ lautete das Motto der 30. Niedersächsischen Musiktage - und das war eine leichte Übung für die acht Flamenco-Künstler, die auf dem gräflichen Landsitz in Nörten-Hardenberg aufgetreten sind. Sie beeindruckten mit ausdrucksstarkem Gesang, virtuosem Gitarrenspiel und feurigem Tanz.

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Quelle: PH

Nörten-Hardenberg. Rocío Márquez' klare, kraftvolle Stimme füllt den Saal mühelos aus. Ursprünglich wurde der Flamenco-Gesang nicht begleitet. Doch Miguel Cortés' Gitarrenspiel stört nicht. Im Gegenteil: Cortés und sein junger Kollege Dani de Morón beherrschen die Flamenco-Gitarre perfekt. Morón schlägt die Saiten so schnell an, dass er mehr als nur fünf Finger pro Hand zu haben scheint. Arcángel ist neben Márquez der zweite Sänger auf der Bühne. Er singt ruhiger und mit etwas belegter Stimme. Doch als die Palmeros (Klatscher) Los Mellis die Bühne betreten, reißt ihn der Rhythmus fast vom Stuhl. Mit Füßen und Händen stampft und klatscht er den Takt mit.
Die Zwillingsbrüder Anton und Manuel sind zusammen die Los Mellis. Und sie übernehmen eine Aufgabe, die in anderen Konzerten dem Publikum zukommen würde: Mitklatschen und Zurufen (Olé!). Doch das tun sie mit so viel Rhythmus und Taktgefühl, dass bei diesem Konzert sich die Begeisterung des Publikums nur einmal Bahn bricht und zu einem schüchternen Mitklatschen führt.
Richtig mitreißend wird es aber erst, wenn neben Gitarristen, Sängern und Palmeros Leonor Leal die Bühne betritt: Mit ihren roten Schuhen stampft die Flamenco-Tänzerin hart auf den Boden. Sie tanzt den Flamenco in aggressiver Anmut mit voller Körperspannung, Kontrolle und Energie.
Bei der Zugabe wirken schließlich alle acht Künstler mit. Leals rotes Kleid erfüllt jedes Flamenco-Klischee und wirkt so leidenschaftlich und lebensfroh wie die Tänzerin. Ein außergewöhnlicher spanischer Abend.

Von Jorid Engler

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