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Florian Eppinger inszeniert „Das Fräulein Pollinger“ im Studio des DT

Tragik und Karikatur Florian Eppinger inszeniert „Das Fräulein Pollinger“ im Studio des DT

Nur 36 Stunden dauert es, bis aus der arbeitslosen Schneiderin Agnes Pollinger eine Prostituierte wird. „Sechsunddreißig Stunden“ heißt auch der Roman Ödön von Horváths, auf dem das Bühnenstück „Das Fräulein Pollinger“ von Traugott Krischke basiert. Unter der Regie von Florian Eppinger hatte es am Sonntagabend im Studio des Deutschen Theaters in Göttingen Premiere.

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Eine Frau unter wilden Männern: Rahel Weiss spielt Fräulein Pollinger, Lutz Gebhardt diverse Rollen.

Quelle: Winarsch

Göttingen. Die in den 1920er Jahren vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise spielende Geschichte um eine junge Frau, die zwischen Selbständigkeit und Abhängigkeit von Männern schwankt, wird von nur drei Akteuren in einem auf wenige symbolträchtige Requisiten wie einer schlichte Holzbank und Wände aus Umzugskartons reduzierten Bühnenumfeld bestritten. Die sind so überzeugend trostlos wie die Geschichte, der Sie den Rahmen bieten.

Schauspielerin Rahel Weiss zeigt als Agnes Pollinger den Abstieg der Protagonistin dezent, aber eindrücklich – auch durch ein zunehmend ungepflegtes Äußeres. Vor allem aber durch das Brechen ihrer Stimme. Aus dem naiven Mädchengeplapper zu Beginn wird nach und nach der harte Ton einer vom Leben gezeichneten Frau.

Deutlich weniger subtil gezeichnet sind die Männergestalten im Stück, dargestellt von Lutz Gebhardt und Bardo Böhlefeld. Sie verkörpern jeweils mehrere Figuren, die, jeder auf seine Weise, zum Abstieg von Fräulein Pollinger beitragen. Vor allem der überdrehte Maler Arthur Maria Lachner (Gebhardt) und der reiche, schmierige Aufschneider Harry Priegler (Böhlefeld) geben in dieser Inszenierung ihren Schauspielern ein Feld um Brillieren.

Leider geraten beide Figuren in ihrer stark ausgespielten Exzentrik dabei aber zur Karikatur, bringen eher billige Lacher und stehen damit der Logik der Geschichte mit ihrem Abwärtstrudel im Weg. Alles gar nicht so schlimm, könnte man in diesen Momenten meinen.

Sind doch lustige Typen, keine Teile in der Demontage eines Lebens. Das macht die Inszenierung irgendwie bequem, vielleicht sogar versöhnlich. Aber wäre es wirklich so schlimm, einer tragischen Geschichte ihre Tragik zu lassen und auch einmal ohne Lacher auszukommen?

Die nächsten Vorstellungen: 10., 17., 26. März sowie am 10., 15. und 22. April um 20 Uhr im Studio des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

Von Isabel Trzeciok

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