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Flucht als Göttinger Theaterthema

"Flutlicht" Flucht als Göttinger Theaterthema

Alle wollen rein. Was sich seit Monaten an den deutschen Grenzen abspielt, zeigt sich am ehemaligen Institut für den wissenschaftlichen Film in Göttingen im Kleinen. Dort hatte „Flutlicht – das boat people song projekt“ am Freitag Premiere: riesiger Andrang.

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Szene aus "Futlicht" mit Saleh Drogba und Ensemble.

Quelle: Reimar de la Chevallerie

Doch was heißt es eigentlich, „drin“ zu sein? Partizipation ist nie nur eine Frage des Raumes, das zeigte das jüngste Projekt der Theaterformation eindrucksvoll. Wie kann ich mich in dem neuen Land einbringen, was kann ich ohne Furcht mitteilen, was verbindet uns alle – Flüchtlinge wie Deutsche miteinander? Dies alles sind Fragen, denen „Flutlicht“ nachspürt. Unter der musikalischen Leitung von Hans Kaul und der Regie von Luise Rist ist ein Liederabend mit Abdiwahad Mohammed Abdi aus Somalia, mit Reshad Sultani aus Afghanistan, Boushkin Mohammed Ali aus Syrien, Saleh Drogba aus Eritrea und zahlreichen Jugendlichen aus eben jenen Ländern sowie aus Göttingen entstanden.

 
Auch  die in Deutschland geborene Anita Osmani, deren Familie aus dem Kosovo stammt und nun nach 16 Jahren in Deutschland abgeschoben werden soll, ist dabei. Für ihr Verbleiben in Deutschland setzt sich die Gruppe ein, und es läuft derzeit eine Online-Petition gegen die Abschiebung der Familie.

 
Auf der mit weißem Tuch verhängten Bühne zeigen die Jugendlichen vielfach tänzerisch, pantomimisch, was ihnen widerfahren ist. Wenn gesprochen wird, dann tragen die Wörter die Essenz des Schreckens in sich: „Noch gefährlicher als das Meer, ist der Mensch“, sagt ein junges Mädchen. Solche Sätze machen spürbar, was diese jungen Menschen schon alles aushalten und erfahren mussten auf der Flucht in eine hoffentlich bessere, sichere Zukunft. Sie haben Heimweh und denken an ihre Mütter in der Heimat oder „die schönen Mädchen aus meiner Straße.“

 
Was sie außer Krieg und Gewalt zurückgelassen haben, zeigt sich teilweise in der poetischen, ästhetischen Bilderwelt (Sonja Elena Schroeder und Thomas Kirchberg), in die die gesamte Produktion eingebettet ist. Der Haupteindruck der Inszenierung bleibt jedoch hoffnungsvoll und energetisch.

 
Nicht nur in Liedern wie „Amen Sam Roma“ („Wir sind Roma“) wird ausgelassen gemeinsam gesungen. Die vier jungen Front-Männer und -Sänger überzeugen stimmlich mit ihren muttersprachlichen Liedern und durch ihr Bewegungs- und Tanztalent. Es gibt Zugaben und am Ende tanzt man ausgelassen gemeinsam und fühlt sich vielleicht fremd, aber auch verbunden.
 
Weitere Vorstellungen am Sonnabend und Sonntag, 19. und 20. Dezember, um 20 Uhr im IWF-Gebäude, Nonnenstieg

 

Von Marie Varela

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