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Schönheit im Anderssein

Fotografien von Julia Krahn Schönheit im Anderssein

„SchönerHeit - Das Hohelied der Liebe in Bildern“ titelt eine Foto-Ausstellung von Julia Krahn in der Göttinger Johanniskirche. Im Mittelpunkt stehen dabei zwölf Bewohner einer Einrichtung von Diakovere Annastift. Sie alle sind Menschen mit Handicaps.

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Kompositionen voller Symbolik geschaffen: Fotografin Julia Krahn.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen/Hannover. Mit klarem Blick sieht der junge Mann den Betrachter direkt an. Verletzlich und selbstbewusst zugleich. Den Kopf geneigt, den Mund leicht geöffnet. Der junge Mann mit dem wilden Lockenkopf kniet, ein weißes Tuch um seine Hüften geschlungen, auf einem Teppich. Ein hübscher junger Mann. In einer seiner verkrampften Hände hält er einen Hagebuttenzweig.

Zwei Frauen sitzen Rücken an Rücken auf dem Boden. Die stilisierte Szenerie verharrt in einem verträumten, entrückten Moment. Auch wenn die Frauen nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, sind sie in eine Aura des Schönen gehüllt. Auch die anderen Fotografien zeigen exakt choreografierte Porträts.

Die 26 Fotografien lassen an eine Theaterinszenierung denken, dionysische anmutende Kompositionen voller Symbolik vor tief schwarzem Hintergrund. Übliche Schönheitsideale werden in den Porträts hinterfragt. Ein Anderssein wird in einen Kontext zum Hohelied der Liebe Salomos gestellt. Die Ausstellung stimmt ein Hohelied auf die Schönheit behinderter Menschen an.

„Die Ausstellung gibt einen eigenen Beitrag zum Thema Schönheit“, erklärte Gerhard Schridde, Pastor der Kirchengemeinde St. Johannis. Damit werde ein Ausrufezeichen gesetzt. Dietrich Bonhoeffers Frage „Wer bin ich?“ werde inzwischen verdrängt von einer anderen Frage, sagte Prof. Christoph Dahling-Sander, Geschäftsführer der Hanns-Lilje-Stiftung, die die Wanderausstellung fördert. „Bin ich schön?“, laute heute eine Grundfrage gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Über die Entstehung der Bilderserie berichtete die international tätige Künstlerin Julia Krahn: über die Kommunikation mit den zwölf Porträtierten oder die Auseinandersetzung mit deren Handicaps. In enger inhaltlicher Zusammenarbeit mit den Darstellenden seien die Fotografien entstanden. „Alle wollten sich anschauen lassen“, so Krahn. Denn eine Erfahrung der Porträtierten laute: „Es tut viel mehr weh, dass Leute wegschauen.“

Die Ausstellung ist bis 22. Juni Mittwoch bis Freitag von 11 bis 17 Uhr und Sonnabend von 11 bis 15 Uhr geöffnet; mittwochs um 19 Uhr gibt es dialogische Führungen.

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