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Fotografien von Rottenberg in der Kunsthalle HGN in Duderstadt

Inszenierte Philosophie Fotografien von Rottenberg in der Kunsthalle HGN in Duderstadt

Vor wenigen Wochen waren Fotografien von Enrique Rottenberg noch Teil einer Gruppenausstellung von Künstlern in der Kunsthalle HGN, die in Kuba leben. Jetzt haben ihm die Organisatoren um Hans Georg Näder, Chef der Firma Ottobock und Besitzer der Kunsthalle, eine Einzelausstellung gewidmet. „Utopia“ hat er die Schau genannt, die am Donnerstagabend eröffnet wurde.

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Im Hintergrund tanzen kubanische Männer: der Künstler Enrique Rottenberg in seiner Ausstellung.

Quelle: Richter

Duderstadt. Rottenberg, Jahrgang 1948, hat ein bewegtes Leben hinter geführt. In Argentinien geboren, emigrierte er im Alter von 13 Jahren alleine nach Israel.

Er arbeitete in der Immobilienbranche und studierte Philosophie. Später ließ er sich an einem Filminstitut ausbilden und begann, Filme zu produzieren.  Einer davon war für einen Oscar nominiert, verrät seine Biografie. 1993 dann kam er nach Kuba, wo er nicht nur einen Roman schrieb, sondern auch begann, sich mit dem Medium Fotografie auseinanderzusetzen.

In der Kunsthalle HGN präsentiert er nun überwiegend monumentale inszenierte Fotografien, darunter auch ein Foto mit einer beeindruckenden Länge von 24,3 Metern. Noch bemerkenswerter allerdings ist das, was Rottenberg zeigt – und wie er es organisiert. Er bringt mehrere Dutzend Menschen aus dem Viertel zusammen, in dem er wohnt und inszeniert mit ihnen seine Bilder.

Da stehen zahlreiche Frauen aller Altersgruppen und jeglicher Hautschattierung hintereinander. Sie sind nur mit Schlüpfern bekleidet. Jede hat eine Hand auf die Schulter der vor ihr Stehenden gelegt, alle blicken den Betrachter an. Ein anderes Bild zeigt ebenso viele Männer aufgereiht zum Tanz.

Sie tragen nur einen Schlüpfer. Rottenberg hat die Minimalbekleidung nach der Fotosession eingesammelt, jetzt liegt sie in einem Metallkorb in dem Rondell in der Ausstellung, an dessen Wand das Foto rundum installiert ist. Aus Lautsprechern dröhnt dazu das Lied „It᾽s a Man᾽s World“.

Mit solcherlei Werken verbildlicht Rottenberg philosophische Gedanken über die Stellung von Mann und Frau in der Gemeinschaft, von den Auswirkungen einer totalitären Gesellschaft, von dem Verlangen des Menschen, die Natur zu beherrschen und den Folgen daraus. Das ist nicht immer ganz klischeefrei, dafür aber versehen mit einem schelmischen Witz, viel Leichtigkeit – und in der Kunsthalle zudem brillant inszeniert.  

In zwei Bildern hat sich Rottenberg übrigens selbst inszeniert. In dem einen reitet er auf einem Esel hinter einem Che-Guevara-Darsteller her, in dem anderen steht er tropfnass in einer Waschschüssel am Strand, frisch gereinigt und sehr menschlich.   

Zwei Utopien habe ihm Näder erfüllt, erklärt Rottenberg zur Vernissage: zum einen eine Einzelausstellung in Deutschland, zum anderen das Wetter, das am Eröffnungsabend wie in seiner Heimat Kuba sei. Mindestens eine weitere Schau wird wohl noch dazu kommen. Näder will die Rottenberg-Werke auch in Berlin zeigen.

Bis 6. September sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr in der Kunsthalle HGN, Karl-Wüstefeld-Weg in Duderstadt. Der Eintritt ist frei.

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