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Frank Fischer mit „Angst und andere Hasen“ im Göttinger Apex

Don Corleone und die „Horrrnhautrrraspel“ Frank Fischer mit „Angst und andere Hasen“ im Göttinger Apex

Sie sind ganz alltäglich und weit verbreitet, und mitunter muten sie auch exotisch und absurd an. Mehr als 600 anerkannte Phobien gibt es – Grund genug, sich das Thema einmal genauer anzuschauen. Frank Fischer hat es getan.

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Frank Fische.

Quelle: Heller

Göttingen. Mit seinem Kabarettprogramm. „Angst und andere Hasen“ zeigte er am Sonnabend im ausverkauften Göttinger Apex, dass mehr Komik darin steckt, als man vermutet.

Sympathisch, mit einem gewinnenden Lächeln kommt Fischer auf die Bühne, knüpft erste Kontakte mit dem Publikum und verteilt eine Runde Schokobonbons. Um dann zu bekennen, dass er seit seiner Kindheit eine Angst vor Gift in Süßigkeiten habe. Denn wer etwas von Fremden annimmt, weiß nie, was er kriegt. Die Mutigen in der ersten Reihe haben das Nachsehen, der rappelvolle Saal etwas zum Lachen.

Mehr als 600 anerkannte Phobien gibt es. Aber wer hat schon von Aulophobie gehört, der Angst vor Flöten oder Lutraphobie, der Angst vor Ottern? Bei Angst vor Milchhaut, der Glucodermaphobie, sollte man sich beim Kakaotrinken im Weißen Haus besser auf größere Verwicklungen einstellen.

Fischer, selbst stolzer Besitzer verschiedener Ängste und bekennender Hypochonder, findet den kleinen Horror im ganz Alltäglichen, in der spinnerten Nachbarschaft und unter grantigen Senioren, beim Gebrauch technischer Geräte, im Flugzeug oder beim Zahnarzt, wo ihn die Angst davor, dass das Speichelsauggerät falsch eingestellt sein könnte, umtreibt. Wer den Pschyrembel zu seinem Lieblingsbuch erklärt, dem bietet die Fantasie nun mal viel Stoff.

Eine Pointe folgt der anderen, und das Publikum kommt beim Ablachen kaum zum Luftholen. Höhepunkte des Programms sind die Szenen, in denen der Kabarettist und Comedian kurz in verschiedene Figuren schlüpft und sein darstellerisches Können ausspielt. Die fränkische Bäckereifachverkäuferin, der bayrische Radiohörer oder der Teleshopping-Verkäufer mit Wiener Schmäh: Fischer kann von einem Dialekt in den nächsten wechseln und beherrscht sie alle bestens. Auch in der Medienlandschaft und unter Promis hat Fischer das Grauen ausgemacht. Der Mann aus der Saitenbacher Werbung mutiert zum Don-Corleone-Verschnitt. Und – die üblichen Verdächtigen – Udo Lindenberg, Peter Maffay und Herbert Grönemeyer fehlen auch nicht.

Großartig die Imitation von Alfred Biolek zwischen „Parrrmesanrrreibe“ und „Horrrnhautrrraspel“. Fast 20 Comedy- und Kabarettpreise, darunter den Prix-Pantheon-Publikumspreis 2011, zählt Fischer und er versteht es, mitreißend zu erzählen, sein Publikum zu unterhalten und schlagfertig zu kontern. Seine Kritik ist subtil und kommt in hintergründigem Humor verpackt daher. Das Publikum bedankt sich mit viel Applaus.

Von Karola Hoffmann

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