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Frank Sauer mit „Der Weg ist das Holz“ im Göttinger Apex

Zwischen Geomarketing und Nostradamus Frank Sauer mit „Der Weg ist das Holz“ im Göttinger Apex

Was ist richtig, was ist falsch? Ständig muss man Entscheidungen treffen. Welches Ziel setze ich mir? Ist der Weg das Ziel oder das Ziel nur im Weg? Bin ich auf dem richtigen Weg oder auf dem Holzweg? Und wenn‘s ganz dumm läuft, ist der Weg sogar weg.

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Aberwitzig, absurd, schräg: Kabarettist Frank Sauer.

Quelle: Heller

Göttingen. Kabarettist Frank Sauer hat am Sonnabend sein Programm „Der Weg ist das Holz“ im ausverkauften Göttinger Apex präsentiert. Sauer macht sich so seine Gedanken. Mal ist die Familienplanung nicht das Wahre. Mal ist man auf dem Aktien- oder im Supermarkt überfordert. Selbst für Weintrinker ist die Entscheidung nicht so einfach. Zwischen „1000 Rebsorten und 500 Millionen Ausbau- und Lagerarten“ ist Sauer zumindest froh, dass es doch „immer nur einen Jahrgang gibt“.

Die Welt ist komplex. Ob bei der Ernährung oder in Gesundheitsfragen, Beratungshilfen beanspruchen die Wahrheit für sich, haben aber oft nur eine Halbwertszeit bis morgen. Was hilft einem bei der Orientierung? Auf jeden Fall ist ein Navi „eine Supersache“, stellt Sauer fest, zwischen „Garching, Gauting, Giesing und Up-dating“ sind dem sozialen Miteinander mit einem Navigationsgerät dann allerdings doch Grenzen gesetzt.

Der Träger des baden-württembergischen Kleinkunstpreises 2012 gibt den verwirrten Verbraucher, der es einerseits zu schätzen weiß, dass die Datentechnik im Supermarkt seine Bedürfnisse besser kennt als er selbst. Andererseits stellt er sich bockig und bestellt Dinge im Internet, die er eigentlich gar nicht braucht, nur um den Profildatensammlern ein Schnippchen zu schlagen. Wozu Datenklau, Geomarketing & Co. führen können, zeigt eine herrliche Telefon-Szene in der es zwischen Bettenkauf und vermeintlichem Terroranschlag doch nur um schnöde Kofferwerbung geht. Mordsmäßig und wunderbar bitterböse ist auch ein Liebeslied, das Sauer mit viel Schlagersänger-Attitüde vorträgt.

Aberwitzig, absurd, schräg: Sauer hält den Spiegel vor zwischen Entscheidungskämpfen und Manipulation, Alltagswahn und totaler Vernetzung, Konsumterror und kriminellen Machenschaften. Der 55-Jährige konterkariert temporeich und unterhaltsam – mitunter mit ein paar Längen – die alltäglichen Untiefen, den dümmlichen Ausverkauf der deutschen Sprache, die Existenzängste derer, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, und dass Astrologie, Relativitätstheorie und Nostradamus auch nicht immer den richtigen Weg weisen. Bei 600 000 Kilometern an Holzwegen in deutschen Wäldern, die zum Holztransport dienen und kreisrund doch nur ins Nichts führen, ist eine allgemein verbreitete Affinität zum Holzweg allerdings auch nicht überraschend.

Von Karola Hoffmann

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