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Keine Scheu vor plakativen Mitteln

Friedenskonzert mit dem Göttinger Kanbenchor in der Johanniskirche Keine Scheu vor plakativen Mitteln

Selten hat die Johanniskirche einen solchen Jubel erlebt wie am Sonnabend. Zu hören war die Friedensmesse „The Armed Man“ von Karl Jenkins, aufgeführt vom Göttinger Knabenchor, dem Konzertchor des Otto-Hahn-Gymnasiums und dem Philharmonic Volkswagen Orchestra unter der Leitung von Michael Krause.

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Es traten auf: Der Göttinger Knabenchor, der Konzertchor des Otto-Hahn-Gymnasiums und das Philharmonic Volkswagen Orchestra unter der Leitung von Michael Krause

Quelle: AIB

Göttingen. Minutenlang brauste der sogleich im Stehen gespendete Schlussbeifall, untermischt von Begeisterungsschreien. Keine Frage, die Friedensbotschaft hatte ihre Hörer in der rappelvollen Kirche erreicht.

Jenkins hat mit seiner Textzusammenstellung für eine Vernetzung jenseits aller historischen und kulturellen Grenzen gesorgt. Da finden sich christliche Liturgie, das islamische Gotteslob „Allahu akbar“, Verse aus dem uralten indischen Epos Mahabharata ebenso wie Texte von Rudyard Kipling, Jonathan Swift oder John Dryden. Den Rahmen bildet die französische Chanson „L’Homme armé“ aus dem 15. Jahrhundert, deren Text mit den Worten beginnt „Den Mann in Waffen muss man fürchten“.

Die Melodie dieser Chanson wurde später immer wieder in Messkompositionen verwendet. Das zeigt zum einen ihre Popularität, zum anderen aber auch das Bewusstsein, dass Kriege ganz selbstverständlich Teil des menschlichen Schicksals sind.

Diesem Geist setzt Jenkins seinen anderthalbstündigen Friedensappell mit Nachdruck entgegen. Er hat keine Scheu vor plakativen musikalischen Mitteln, im Gegenteil, er setzt die Effekte wirkungssicher ein. Wenn die dann derart enthusiastisch umgesetzt werden, wie es die beiden von Krause sehr sorgfältig vorbreiteten, stimmstarken jungen Chöre taten, kann der finale Jubel nicht ausbleiben.

Für die kleineren Solopartien hatte Krause junge Stimmen ausgesucht, die, wiewohl nicht professionelle Sänger, sich mit ebensolchem Eifer beteiligten wie die Choristen. Das waren Annike Kleinert (Sopran), Altistin Maximiliane Jansky (Alt), der – eher baritonal timbrierte – Tenor Leopold Schmarsel und Sebastian Kedziora (Bass). Den islamischen Gebetsgesang trug der Syrer Sufian Alobaid Alawad mit bewegendem Ausdruck vor. Das Philharmonic Volkswagen Orchestra – an der Pauke ihr Leiter Hans-Ulrich Kolf – bot die zuverlässige instrumentale Basis.

Angesichts dieses verdienten Erfolges Wasser in den Wein zu gießen, verbietet sich beinahe. Dennoch sollte bei aller Einigkeit darüber, dass diese Musik einem guten Zweck dient, nicht verschwiegen bleiben, wie simpel sie bisweilen gesetzt ist, wie allzu eindeutig sie auf Effekte zielt. Wenn etwa die „Benedictus“-Melodie des Soprans von Violinen in höchster Lage überglänzt wird, wirkt das wie Zuckerguss. Und wenn die Schrecken des Krieges mit Pauken- und Tamtamschlägen über den Hörer hereinbrechen, tut das zwar zum Glück nicht weh, ist aber doch vergleichsweise schlicht in der Erfindung.

Von Michael Schäfer

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