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Friedenspreisträger Liao Yiwu zu Gast in der Göttinger Paulinerkirche

„Ich werde weiter trinken“ Friedenspreisträger Liao Yiwu zu Gast in der Göttinger Paulinerkirche

Der Schriftsteller und Musiker Liao Yiwu zählt zu den bekanntesten chinesischen Dissidenten. Im Sommer 2011 gelang ihm die Flucht, heute lebt er in Berlin.

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Gut eingespielt: Liao Yiwu und der Cellist Marcus Hagemann.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Auf Einladung des Literarischen Zentrums, das dafür mit der Universität Göttingen zusammenarbeitete, war der Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels am Montagabend zu Gast in der Paulinerkirche. Zentraler Punkt seines Auftritts war die Präsentation eines Werkes, dass ihn in China berühmt gemacht hatte, aber auch in Ungnade fallen ließ.

„Massaker“ heißt das Gedicht, dass er als Reaktion auf das gewaltsame Niederschlagen des Volksaufstandes am 4. Juni 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens schrieb. „Knallt sie ab“ – dieser Satz taucht immer wieder darin auf. Gemeinsam mit dem Cellisten Marcus Hagemann trug Liao Yiwu es vor. Er schrie dabei, stampfte und rasselte.

Die Antwort verrät den Schalk

Weil er das Werk nicht veröffentlichen durfte, verbreitete er es heimlich als Tonaufnahme, die auch ins Ausland gelangte. 1990 wurde Liao Yiwu verhaftet und zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Ob er die Veröffentlichung des Gedichtes jemals bereut habe, wollte eine Zuhörerin gegen Ende des Abends wissen. Die Antwort verrät den Schalk Liao Yiwu. Das sei sehr dumm gewesen, sagt der Autor. Wütend sei er gewesen. „Wenn man ein bisschen getrunken hat, schimpft man gerne. Und dann hat man die öffentliche Ordnung gestört.“ Wird er also ruhiger? „Ich werde weiter trinken, also auch weiter schreiben.“

Seinem Heimatland prognostiziert Liao Yiwu eine finstere Zukunft. „Dieses Imperium muss auseinander brechen.“

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