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Frontschweine des Kapitalismus

Robert Griess im Apex Frontschweine des Kapitalismus

Ostdeutschland, Flüchtlingskrise und BWLer: Robert Griess schaut schonungslos da hin, wo's wehtut. Der Kölner Politkabarettist hat am Sonnabend sein Programm „ Ich glaub᾽, es hackt!“ im Göttinger Apex vorgestellt.

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Der Kölner Politkabarettist Robert Griess.

Quelle: HW

Göttingen. „Letztendlich sind wir alle als Endverbraucher daran schuld, dass die Welt so ist, wie sie ist, weil wir es zugelassen haben, dass die BWLer die Weltherrschaft übernommen haben.“ Für Robert Griess ist im Jahr acht der Finanzkrise klar, dass die BWLer als Banker und Berater den Diskurs bestimmen. „Unsere Politker glauben alle an die Wirtschaft wie an eine Religion.“ Und da sie selber keine Ahnung davon hätten, seien jetzt ihre Berater am Drücker.

Rechter Terror in Deutschland, der als Brauchtumspflege durchgeht und eine AfD, die ein klares Feindbild aufgebaut hat, nach dem Motto: „Alles Wirtschaftsflüchtlinge und Schmarotzer.“ Dabei steht für Griess fest: „Steuerflüchtlinge sind die wahren Wirtschaftsflüchtlinge.“

Der Kölner hat auch einige Originale zur Verstärkung mitgebracht. Die Figuren seines Typenkabaretts sorgen richtig für Schwung und die unterhaltsamsten Momente des Programms. Da wäre „Theo“, ein blasiert-frustrierter Grüner in der Opposition, der sich so seine, nicht nur ökologisch nachhaltigen Gedanken macht: „Bei uns kannst du Feministin sein und trotzdem gegen das Burkaverbot.“

Als Gegengewicht zur Weltherrschaft der BWLer ist der revoltierende „Herr Stapper auf Hartz IV“ die erste Wahl. Ganz brüllender Proll und echter Kölscher Assi-Adel hat er den „Power-Pilates-Prinzessinnen und Dalai-Lama-Groupies“ im Bioladen den Kampf angesagt.

Mucksmäuschenstill wird es im Saal, als Griess seinen Berater-Consultant von der Kette lässt. „Wir sind Frontschweine des Kapitalismus. Der Euro ist unser Vietnam. Aber Wirtschaft ist kein Krieg. Denn im Krieg gibt es Regeln.“ Wenn der Mammon-Anbeter von Kriegsopfern als Kollateralschaden des Wachstums der Wirtschaft spricht und über Kinderarbeiter in Bangladesch parliert, scheint der Zynismus in Eiswürfeln zu gefrieren.

Griess wettert, dass soziale „Gerechtigkeit und Solidarität Gier und Egoismus gewichen“ sei. Aber selbst gibt er sich als Kabarettist doch der Käuflichkeit preis, der gut bezahlt auch bei „Zwangshochzeiten und Beschneidungen“ oder von BWLern gebucht in einem Luxus-Resort in Nordafrika vor einem „Kamel namens Rommel“ auftritt. Griess haut drauf. Schnell, treffend, gnadenlos, aber leider auch akustisch etwas arg laut.

Von Karola Hoffmann

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