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Amüsanter Leckerbissen

„Frust Neujahr“ feiert Premiere im ThOP Amüsanter Leckerbissen

Ping macht das Klavier. Ping macht das Klavier nochmal. Der Pianist schüttelt den Kopf und sagt: „Falsch“. Es dauert eine Weile bis er die Melodie von „Auld Lang Syne“, dem typischen Silvesterlied im angloamerikanischem Raum zusammenbekommt.

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Improvisieren mühelos: Thomas Sicking (Bastian), Victoria Fitz (Beatrix), Theresa Kraus (Denise), Katharina Silbersdorff (Annika).

Quelle: Opitz

Göttingen. Dann stellt er sich zufrieden vor. Er sei das alte Jahr 2014, damit Teilnehmer eines höheren Raum-Zeitgefüges und habe die Macht das Geschehen auf der Bühne einzufrieren – zum Leidwesen der Figuren und zur Schadenfreude des Publikums.

„Frust Neujahr!“ heißt diese neue Produktion vom Theater im OP und ist eine Mischung aus Komödie und Improvisationstheater. Ort des Schauspiels ist das Wohnzimmer von Annika, die in liebevoller Vorfreude eine Silvesterparty für ihre Freunde organisiert hat. Dass sie sowohl vergessen hat das Bleigießen zu besorgen, als auch jeglichen Alkohol, ist mehr als ein schlechtes Omen für den Abend.

Nach und nach trudeln die Gäste ein und sie alle bringen ein neues Problem mit. Da ist das sich streitende Ehepaar Beatrix und Constantin, dass sich kurzerhand trennt, der Ex-Freund Bastian, der seine neue Flamme Denise mitbringt.

Dominik, der etwas schlimmes gemacht hat und Caro, die auch keine große Hilfe ist. Warum hier Intrigen gesponnen, Streits vom Zaun gebrochen und der ganze Abend versaut ist, das entscheidet das Publikum, wann immer das alte Jahr die Zeit auf der Bühne anhält. Die Schauspieler beweisen dabei Improvisationstalent und jonglieren mühelos mit den Vorgaben. Vor allem Myrtha Dorothee Werner, die die Caro spielt, sticht durch ihre natürliche und glaubhafte Performance und ihre witzigen Einfälle heraus.

Durch die Renovierungsarbeiten ist das Stück in die Notaufnahme verlegt worden, einem recht kleinen Raum, indem die Nähe zur Bühne zu einem Erlebnis für alle Sinne wird, als die Jungs doch noch Alkohol finden. In einer minutenlangen Orgie bespucken die drei sich gegenseitig mit zerkauten Salzstangen und Chips und auch eine Handvoll Sprühsahne wandert vom Mund des einen in das Gesicht des anderen. Im besten Fall kann man dem Treiben eine gewisse Bewunderung für die Zielgenauigkeit der Akteure abgewinnen, aber vor allem nimmt man den Geruch wahr, der vom zerkauten Salzgebäck und Speichel bald durch die Stuhlreihen wandert.

Statt „Dinner for One“, liegt das Dinner hier auf dem Boden. Die drei Schauspieler haben jedoch Freude an der scheinbar lange unterdrückten Infantilität und das Publikum hat sich bis dahin auch kräftig amüsiert. Zum Glück ist es bald vorbei.
Trotz des kulinarischen Patzers ist „Frust Neujahr“ ein amüsanter Leckerbissen mit einem Hauch  zu wenig Handlung. Dafür glänzt es mit einem Feuerwerk an Absurditäten.

Weitere Vorstellungen: 13., 14., 16., 17., 20., 21., 23. und 24. Januar um 20.15 Uhr in der Notaufnahme, Käthe-Hamburger-Weg 6.

Von Serafia Johannson

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