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Fünf Fragen an Max Goldt

Träger des Satirepreises „Göttinger Elch“ Fünf Fragen an Max Goldt

Seit 1997 vergibt die Stadt Göttingen den Satirepreis „Göttinger Elch“. 19 Künstler gehören inzwischen zum Elchrudel. In Tageblatt-Interviews sprechen die Preisträger über ihre Erinnerungen, über Zukunft und Elchrahmsuppe. Diesmal: Max Goldt.

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Elchpreisträger Max Goldt.

Quelle: r

Haben Sie noch eine besondere Erinnerung an den Tag, als Ihnen der Elch-Preis verliehen wurde?

Ja, ich erinnere mich, wie ich neben dem bezaubernden Göttinger Bürgermeister und seiner Frau in der ersten Reihe saß und auf der Videoleinwand gräßliche, aus dem Internet heraugeklaubte Photos von mir erschienen, und ich sagte: Was sind denn das für grauenhafte Fotos? Und der Bürgermeister sagte: Ja, grässlich. – Beim Signieren kam ein Klassenkamerad zu mir und sagte: Ich bin Koksi. Und dann war das Dirk Kowallick, mit dem ich 1971/72 mancherlei Ausflüge und Streiche unternommen habe. Der ist jetzt Schuldirektor in Northeim. Wir treffen uns bei meiner Göttinger Lesung im Herbst.

Hinterher saß ich noch mit dem Bürgermeister und seiner Frau in der Kantine und wir sprachen über meine Geburtsgegend in Weende am Otto-Wels-Weg und die sogeannante Eisenbahnersiedlug in Grone.Er sagte: Das ist doch schön bürgerlich da. Ich erwiderte: Nein, das ist jetzt Slum heute.

An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?

Ich arbeite an meinem neuen Hörbuch. Es soll einen Ein-Wort-Titel haben wie „Dill“ oder „Hey“ oder „Sex“, weil meinem Grafiker das so gut gefällt. Ich hatte bislang nur komplizierte Titel.

Kommen Sie zur Verleihung des Elch-Preises 2017?

Vermutlich nicht. Der von der Jury ausgewählte Grafiker gefällt mir überhaupt nicht, und er paßt auch nicht im geringsten in die Tradition des Göttinger Elches. 

Er ist ein einfacher Mann mit ordentlichem Talent. Bislang sind meist begabtere Leute mit dem „Elch“ ausgezeichnet worden. Sollte die Jury weiterhin dermaßen schlichte Künstler auszeichnen wollen, rate ich, den „Göttinger Elch“ einzustellen. Es würde sonst zu einer Degradierung der bisherigen Preisträger führen.

Was haben Sie mit den 99 Dosen Elchrahmsuppe gemacht? Gibt es noch Restbestände?

Ich habe die 99 Dosen nicht bekommen, gottseidank.

Wen würden Sie gerne noch in das Rudel der Elch-Preisträger aufnehmen?

Da gäbe es einige, in erster Linie Phil Tägert, der als der “schlaue Fil“ auftritt und sowohl graphisch als auch textlich den Comic-Strip zu neuen und einsamen Höhen emporgehoben hat.

Das Rudel der Elchpreisträger

Der „Göttinger Elch“ ist Deutschlands einziger ­Satirepreis. Künstler, ­Kabarettisten, Schriftsteller und Schauspieler erhalten ihn für ihr Lebenswerk. Er ist dotiert mit 3333,33 Euro und einer vollsilbernen Elch-Brosche. Bis 2015 gehörten weiterhin 99 Dosen Elchrahmsuppe dazu. 1997 wurde der Elchpreis erstmals verliehen.

Bisher haben den Göttinger Elch erhalten:

1997: Chlodwig Poth (1930-2004)

1999: Robert Gernhardt (1937-2006)

2000: Gerhard Polt

2001: Harry Rowohlt (1945-2015)

2002: Marie Marcks (1922-2014)

2003: F. W. Bernstein

2004: Emil Steinberger

2005: Otto Waalkes

2006: Hans Traxler

2007: Ernst Kahl

2008: Biermösl Blosn

2009: Helge Schneider

2010: Olli Dittrich

2011: Josef Hader

2012: Franziska Becker

2013: Michael Sowa

2014: Georg Schramm

2015: Rudi Hurzlmeier

2016: Max Goldt

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