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Fünf Kilogramm gepresste Ölfarbe

Ausstellung Christian Frosch Fünf Kilogramm gepresste Ölfarbe

Ein Maler, ein Forscher, ein Welterkunder, ein Zweifler, Verneiner und Bejaher, ein Performer: Derzeit sind die Arbeiten von Christian Frosch in der Göttinger Galerie Ahlers  zu sehen. Die Ausstellung „Zehn  Jahre Malereiforschung“ zeigt Versuche und Anordnungen rund um Bildgründe, Farben und Malmittel. 

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Versuch mit genauer Anordnung: „oben/unten # 25“.

Quelle: Peter Heller

Doch anders als bei den ausgewiesenen Materialforschern Max Doerner, „Malmaterial und seine Verwendung im Bilde“ von 1921, oder Monika Wagner, „Das Material in der Kunst“ von 2001, sind die Ergebnisse Froschs nicht als Text zu fionden, allein die Bilder und Objekte, so man sie denn als solche betrachten will, sprechen beredt von der Forschungsarbeit. 

„Auf der Suche (Himmelblau)“ presst einzelne runde Flecken von Farben verschiedener Hersteller zwischen Glasscheibe und Objekträger zusammen, eine Anordnung, deren Akribie unterbrochen allein dadurch wird, dass Frosch ihr den Anspruch auf Unvollständigkeit lassen kann. Loslassen kann dieser Münchner Maler ohnehin: Ein, zwei Papiere und lose Kreiden in einem per Post verschickten Paket ergeben durchgeschüttelt ein Bild, dessen Empfänger es als erster sieht. Auch eine verschickte grobe Leinwand mit offenen Öltuben ergibt ein schönes Ergebnis und ist performativer Akt wie malerischer Gedankengipfel in einem. 

Ein Eimer getrocknete Farbe

Streng konzeptuelle Arbeiten Froschs, jeden Tag um zehn Uhr morgens einen Streifen Zitronengelb auf ein Papier schaben oder dann und wann einen Eimer Farbe öffnen und eintrocknen lassen, bergen neben dem konzeptuellen Charakter, der an Ready Mades erinnern mag, auch die These, Malerei zu sein, vollfarbige, konstruktive oder zumindest stark reduzierte Kunst.  

Und daneben dann hat ein weiterer Punkt Raum: stille, poetische Arbeiten, auch wenn ihr Herstellungsprozess ein ganz anderer ist: Zwischen mal  sehr große, mal kleinere Platten trägt der 1968 geborene Maler Farbe auf – das kann Bootslack sein oder mehrere Kilogramm schwere, aus kleinen Tuben gedrückte, feine Ölfarbe. Die Platten werden stark, sehr stark zusammen gepresst und danach von Frosch, der sich mit seinem ganzen Gewicht für recht lange Zeit daran hängt, auseinandergerissen. So montiert, sinken die unten stehenden Farbspizen nach und nach herab, ergeben ein Blatt-, Pulsadern gleiches Muster, manchmal Punkte.  

Zwischen den Fäden der herabhängenden Farbe sammelt sich die Möglichkeit zum Überschuss. Stalagtiten gleich ziehen sich die Enden der Farbe nach unten, dazwischen herrscht Stille allein, kein Tropfen, kein Tröpfeln, kein Luftzug stört die aus Kraft geronnene Starre. Das Gegenüber verneint die Kooperation und bleibt negatives Abbild. Hier macht die Forschung schönsten Sinn: Dort, wo mehr daraus entsteht als Ölstände auf säurearmem Papier oder die Weiterbearbeitung von Positionen der 60er Jahre. 

Galerie Ahlers, Düstere Straße 21 in Göttingen, bis 6. Juni. 

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