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„Für Töchter und Frauen edleren Sinnes“

Vor 250 Jahren: Geburt des Kupferstechers Ernst Ludwig Riepenhausen in Göttingen „Für Töchter und Frauen edleren Sinnes“

Zur Verbreitung der Bilder von William Hogarth (1697-1764), einem der bedeutendsten Künstler Englands im 18. Jahrhundert, trug entscheidend ein Zeichner und Kupferstecher aus Deutschland bei: Ernst Ludwig Riepenhausen.

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Riepenhausen-Kopie nach William Hogarth: „Lebensweg einer Dirne“ (A Harlot‘s Progress).

Quelle: EF

Göttingen. Vor 250 Jahren, am 6. September 1762, wurde er als Sohn des Universitätsmechanikus Johann Christian Riepenhausen in Göttingen geboren.

Schon seit frühester Jugend soll sich Ernst Ludwig der Zeichenkunst gewidmet haben, heißt es um 1845 in einem Lexikon. Bereits als 20-Jähriger trat er mit ersten Kupferstichen in einem Gedichtband hervor – in bester Gesellschaft, denn die übrigen Illustrationen stammten von seinem berühmten Zeitgenossen Daniel Chodowiecki, einem der populärsten Illustratoren dieser Epoche.

Gefragter Künstler

Bald schon war Riepenhausen ein gefragter Künstler für die in dieser Zeit weit verbreiteten Kalender und Almanache – Zielgruppe laut Untertitel „Töchter und Frauen edleren Sinnes“ – , die zu seinen wichtigsten Erwerbsquellen wurden. Einer seiner Göttinger Auftraggeber war Georg Christoph Lichtenberg als Herausgeber des renommierten „Göttinger Taschenkalenders“. Lichtenberg war es auch, der Riepenhausen mit Stichen nach Vorlagen von William Hogarth beauftragte: Die großformatigen Originale Hogarths waren wesentlich teurer als die verkleinerten Wiedergaben von Riepenhausen. Lichtenberg war sehr angetan von der Stichkunst seines Göttinger Künstlers. Er urteilte, dass „trotz der Verkleinerung der Copien auch nicht ein Funken von dem Geist des Originales verloren“ ginge. 89 Stiche Hogarths hat Riepenhausen für Lichtenbergs Kalender bearbeitet. Sie alle geißeln – oft in mehrteiligen Bildergeschichten – die Sitten und Gebräuche ihrer Zeit schonungslos.

Interesse an populären Motiven

Allerdings war Hogarths Moralität nicht unbedingt Riepenhausens eigene künstlerische Triebfeder. Er befasste sich vor allem mit populären Motiven, mit Modekupfern – die Abbildungen unten aus der Sammlung Böttger – , Illustrationen zu Büchern wie für Romane des Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge oder Gedichte von Gottfried August Bürger, mit dem Riepenhausen eng befreundet war. Darüber hinaus wurden seine kleinformatigen Kupferstiche viel gekauft, um sie den damals sehr beliebten Stammbüchern beizulegen.

Anfangs waren seine Motive vor allem Porträts von Dichtern und bildenden Künstlern. Später kamen Stadtansichten und Landschaften hinzu. Allein aus dem Raum Göttingen und Umgebung sind 58 Blätter von Riepenhausen erhalten. Darüber hinaus hat er rund 240 Ansichten aus dem übrigen Deutschland hinterlassen.

Tischbein vergab Aufträge

Neben Lichtenberg gehörte der Maler Johann Heinrich Tischbein zu Riepenhausens Auftraggebern. Für Tischbeins Werk „Homer nach Antiken gezeichnet“, 1801 bei Dieterich erschienen, schuf Riepenhausen wissenschaftlich exakte archäologische Kupferstich-­Illustrationen. Die 1793 entstandenen Umrisszeichnungen des Engländers John Flaxman zu Homers „Ilias“ und „Odyssee“ arbeitete Riepenhausen zwischen 1803 und 1805 in Kupferstiche um. Als Universitätskupferstecher war er außerdem für die Illustration von wissenschaftlichen Publikationen Göttinger Professoren zuständig – eine Tätigkeit, für die er erst von 1820 an ein festes Jahresgehalt in Höhe von 100 Talern bezog, was für ihn eine Alterssicherung bedeutete. Auch Riepenhausens Söhne Franz und Johannes wurden bekannte Maler und Kupferstecher. Sie verließen Göttingen und lebten von 1805 an in Rom.

Bis ins hohe Alter arbeitete Riepenhausen in seinem Beruf, von seinen Zeitgenossen hochgeschätzt. Das illustriert ein Briefzitat Riepenhausens an seine Söhne aus dem Jahr 1827: „Wo ich gehe und stehe, werde ich allerwärts mit offenen Armen empfangen, aber ich tue auch niemandem was Unrechtes. … Dieses kann man nicht für Geld kaufen und den größten Genuß hat man doch selber.“

Riepenhausen-Stiche im Städtischen Museum Göttingen am Ritterplan: Eröffnung der Sonder-Präsentation am Mittowch, 5. September, um 19 Uhr, geöffnet auch Donnerstag von 10 bis 17 Uhr.

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