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Für den Todesfall den Kombi dabei

Reisen mit Eltern Für den Todesfall den Kombi dabei

Neue Spielzeit, neue Farbe: In herbstlichem Himbeerrot erstrahlt die frisch gestrichene Wand im Veranstaltungsraum des Göttinger Apex, und Kabarettist Bernd Gieseking, der sich in diesen Raum besonders gut auskennt, fand die neue Farbgebung „brillant“.

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Gerne auf Reisen: der Kabarettist Bernd Gieseking.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Seit nahezu 20 Jahren kommt der runde und doch so agile Gieseking in diese Räumlichkeiten und das gern, „obwohl es in Niedersachsen ist“.

Normalerweise hält der Ostwestfale dann seinen satirischen Jahresrückblick „Ab dafür!“, mit dem er sich in der Universitätsstadt schon eine große Fangemeinde erarbeitet hat. Aber heute wolle er mal über etwas weniger Deprimierendes sprechen, so Gieseking. Als Thema auserkoren hat er sich das Reisen, das „Menschenpflicht“ sei, da „Wohnungen und Häuser auch ihre Erholung von uns bräuchten“.

Giesekings kabarettistische Rundreise „Hin und weg“ führt von Gomera nach Finnland und über Vietnam in die Arktis, mit einem kurzen Abstecher ans Steinhuder Meer. Aber auch etwas so Schönes wie das Reisen habe seine Tücken, gibt Gieseking zu bedenken, denn man müsse in den meisten Fällen mit der Deutschen Bahn oder Air Berlin zurechtkommen oder den „Mount Samsonite“ bezwingen, den die Freundin mit in den einwöchigen Urlaub nehmen möchte.

Aber was tue man nicht alles für ein Reiseziel wie Gomera – „Früher war das das Eiland der alleinerziehenden Mütter, heute ist es die Hauptstadt der deutschen Wandervogelbewegung.“ Aber viel wohler fühle er sich in kalten Gefilden.

Da kommt es gerade recht, dass der Bruder der Liebe wegen nach Finnland zieht und ein Familienbesuch fällig wird. „Finne dich selbst“ ist Giesekings druckfrischer Erfahrungsbericht über seinen Finnlandurlaub mit den schon recht betagten Eltern, aus dem er Passagen zum Besten gibt.
Vater Hermann hat Angst, dass er die Reise nicht überlebt, Mutter Ilse denkt genauso. Aber der Sohn kann die Eltern mit dem Hinweis besänftigen, dass er ja für den Fall der Fälle einen Kombi habe.

Das ist der trockene, derbe Humor des Ostwestfalen. Als entwürdigendste Finnland-Erfahrung für den Sohn beschreibt Gieseking,  für Mutter Ilse ein Alster zu bestellen. Denn für Alkoholverdünnung habe der gemeine Finne nur Verachtung übrig.

Gespickt ist der Abend immer wieder mit lyrischen Einlagen in einer bestechenden Mischung aus Plumpheit und Geist. Bei allem Potenzial hat Giesekings neues Programm „Hin und weg“ Längen und könnte zuweilen differenzierter und pointierter daherkommen, gemäß dem selbstgewählten Motto „Finne dich selbst“.

Von Marie Varela

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