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Für eine bessere Zukunft

Esther Bejarano liest und singt Für eine bessere Zukunft

Es ist gut, dass wir hier sind um Zeichen zu setzen gegen jegliche Gewalt“: Zum 65. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar trafen sich im Alten Rathaus Generationen zu einem ungewöhnlichen und berührenden Projekt.

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Überlebende Musikerin: Esther Bejarano.

Quelle: Vetter

Esther Bejarano war ein „Funktionshäftling“. Als Teil des Mädchenorchesters Ausch­witz-­Birkenau musste sie spielen, wenn die Lastwagen kamen und mehr und mehr Menschen in die Gaskammern schafften. Sie überlebte das System von Demütigung, Entmenschlichung und Mord. Mit über 80 Jahren tritt die unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte Aktivistin noch immer gegen Rassismus und Fremdenhass ein. Unter anderem mit den Rappern der Microphone Mafia, mit denen sie heute die Bühne teilt.

Nachdem Esther Bejarano mit einer kurzen Lesung ihrer Erinnerungen an die Zeit des Terrors betroffene Stille auslöste wirkt es seltsam, dass zwei Rapper die Empore betreten. Jugendkultur und Holocaust-Gedenken haben normalerweise nichts miteinander zu schaffen. Dass die betagte Esther mit ihrer Tochter Edna die Refrains singt (Sohn Joram spielt Bass) lässt die Situation fast skurril wirken. Doch nach kurzer Eingewöhnungszeit merkt man: Das Konzept geht auf.

Denn durch das gemeinsame Anliegen gehen die Songs unter die Haut. „Shalom“, ein Lied über den Frieden, der nicht stattfindet. Ein Aufruf zur Desertation im Speziellen und zur Zivilcourage im Allgemeinen. Und ein Stück über die Hoffnung: „Es muss keiner mehr fliehen, weil er seine Meinung sagt.“

Bei zwei Liedern, die direkt die Deportationen zur Nazizeit und die unmenschlichen Zustände in den Konzentrationslagern beschreiben wird besonders deutlich, was das Projekt besonders macht. Die alten Themen bekommen neue Brisanz. Der Kontext der Jugendkultur, des Raps, löst sie aus der Vergangenheit und verknüpft sie mit aktuellen Vorgängen um uns herum. So wird am deutlichsten, was gesagt werden soll: Die Zeit der Deportation, der Unterdrückung und Repression, des Hasses auf Fremde ist nicht vorbei, ist Gegenwart. Die Microphone Mafia und die Familie Bejarano setzen ein starkes Zeichen dafür, dass die Zukunft anders sein könnte.
So erntet die ungewöhnliche Band verdiente standing ovations. Und die Zuschauer bekamen ein ungutes Gefühl, als sie gerade nach diesem Konzert wegen des Einsatzes in der roten Straße von sieben Mannschaftswagen der Polizei empfangen wurden.

Helge Dickau

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