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GSO-Konzert: "Perspektive China"

Atemberaubender Schnellgalopp GSO-Konzert: "Perspektive China"

„Perspektive China“ lautete das Motto des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Sonntag im Deutschen Theater. Damit wurde der neue GSO-Zyklus „Kulturelle Begegnung“ eröffnet. Solisten waren die Erhu-Spieler Dong Junming und Dong Shi Huili.

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Schwungvoll: Dirigent Mueller mit dem Solisten Song Junming und Dong Shi Huili (von rechts).

Quelle: Heller

Göttingen. Zu Beginn stellte der Erhu-Virtuose Dong Jinming, gedolmetscht von der GSO-Kontrabassistin Yan Cai, sein Instrument vor. Die Erhu könnte man vereinfachend eine chinesische Geige nennen. Sie hat aber nicht vier, sondern nur zwei Saiten, und man führt den Bogen nicht auf, sondern zwischen den Saiten. Das Instrument besitzt kein Griffbrett: Die Saiten werden quasi freischwebend in der Luft gegriffen. Und weil der Resonanzkörper klein ist, ist auch der Klang der Erhu eher zart.

Auf die Theorie folgte sogleich die Praxis. Zunächst gab es die fröhlich-volkstümliche „Spring Festival Overture“ von Li Huanzhi, in der viele westliche Einflüsse erkennbar sind. Abschließend präsentierten Dong Junming und sein Sohn Dong Shi Huili ihre atemberaubende Virtuosität auf der Erhu im Solopart von Huang Hai-Huais „Horse Racing“. Dieser Schnellgalopp zweier Rennpferde ist rekordverdächtig, das Stück vermag auch den der chinesischen Musik unkundigen Hörer auf Anhieb zu faszinieren.

Eine weitere Facette der chinesischen Musik führten Vater und Sohn Dong in dem sehr lyrisch-meditativen, anrührenden Erhu-Duo „Beautiful Night“ von Liu Tianhua vor. Einen ähnlichen Stimmungswert, um die Klangfarben des Orchesters erweitert, boten die Solisten in dem atmosphärisch dichten Stück „The Moon Reflects in Second Spring“ von Hua Yan-Jun.

Mit dem wirkungsvoll instrumentierten Satz „Love“ aus der „YIDA Symphony“ von Tang Jianping stellte das GSO ein zeitgenössisches Werk vor, in dem ähnlich wie in der eröffnenden Spring Festival Over­ture Einflüsse westlicher Musik hervorstechen. Dazu präsentierte das Orchester fernöstlich geprägte Stücke von Franz Lehár. Im Finale – „The Bright Way“ von Liu Tianhua – musizierten abermals die Erhu-Solisten zusammen mit dem GSO.

Zusätzlich gab es einen West-Ost-Crossover: Im ersten Satz des E-Dur-Violinkonzerts und in der Air aus der D-Dur-Suite von Johann Sebastian Bach spielte Dong Shi Huili den Violin-Solopart auf der Erhu. Das gelang vor allem in der Air vorzüglich; die häufigen hohen Lagen im E-Dur-Konzert sind allerdings auf dem chinesischen Instrument nur schwer zu realisieren. Der Beifall im gut besuchten Theater war ausdauernd und lautstark. Zum Dank gab es ein zweites Mal „The Horse Racing“.

Fortgesetzt wird der Zyklus „Kulturelle Begegnung“ am Sonntag, 3. April, um 19.45 Uhr im Deutschen Theater zum Thema „Perspektive Ägypten“.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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