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GSO startet mit Bachs "Kunst der Fuge" im Kammerkonzert in die Saison

Klassik GSO startet mit Bachs "Kunst der Fuge" im Kammerkonzert in die Saison

Bachs „Kunst der Fuge“ ist ein unerreichtes, schwieriges Meisterwerk. Aufgeführt wird sie allerdings selten. Doch das Göttinger Kammerorchester – bestehend aus Mitgliedern des Göttinger Symphonie-Orchesters und Gästen – spielte jetzt dieses kontrapunktische Glanzstück gleich zweimal: im GDA-Wohnstift und im Alten Rathaus.

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Auftakt im GDA-Wohnstift: Dem Konzert am Sonntag folgte am Montag die "Kunst der Fuge" im Alten Rathaus.

Quelle: Heller

Göttingen. Der Komponist hat keinerlei Besetzungsvorgaben hinterlassen. Deshalb haben sich zahlreiche Musiker um eine angemessene Realisierung bemüht, es gibt Fassungen für Cembalo, Streichquartett, für Orgel oder Saxofonquartett, um nur einige zu nennen. Der Organist Helmut Bornefeld (1906-1990) hat in den 1960er-Jahren das Werk für Kammerorchester bearbeitet: ein Arrangement, das wegen der abwechslungsreichen Instrumentation besonders reizvoll ist. Es wechselt zwischen Bläsern (einschließlich Blockflöte und Englisch Horn) und Streichern sowie Cembalo und Orgel. Die besonders schwergewichtigen Teile sind dem Tutti anvertraut.

Das Kammerorchester, das sonst oft ohne einen Dirigenten spielt, stand diesmal unter der Leitung von GSO-Chef Christoph Mathias Mueller. In seiner Begrüßung bekannte er, dass die „Kunst der Fuge“ seit Kindertagen zu seinen Lieblingswerken gehört – interessanter­weise nicht in erster Linie um der polyphonen Künste willen, sondern wegen der kühnen Harmonik, die aus dieser Kunst resultiert.

In dieser Musik vollbringt Bach etwas beinahe Unmögliches: Sie fließt derart selbstverständlich, als sei sie ein Produkt der Natur. Dabei hat Bach das Gewebe der Stimmen mit größter Kunstfertigkeit strukturiert, eine kaum vorstellbare intellektuelle Leistung, die der Komponist selbst wohl in aller Bescheidenheit als bloßes Handwerk bezeichnet hätte. Das polyphone Gefüge erschien unter Muellers engagierter Leitung stets sehr transparent – und der Dirigent bot den sehr konzentriert und ausdrucksvoll musizierenden 16 Instrumentalisten auch Raum für Emotionen, ohne die harmonisch wahrlich aufregende Musik unangemessen zu sentimentalisieren.

Diese 90 Minuten sind wie ein Ausschnitt aus einer himmlischen Ewigkeit. Und weil Bach die „Kunst der Fuge“ unvollendet hinterlassen hat, tritt in der letzten Passage der 14. Fuge, just dort, wo die Tonfolge B-A-C-H erklingt, zugleich jäh die Endlichkeit ins Bewusstsein des Hörers. Nach dem Bach-Choral „Vor deinen Thron tret ich hiermit“, mit dem traditionell das Werk beschlossen wird, verharrten die tief beeindruckten Zuhörer im Alten Rathaus einige Momente in der Stille, um dann den Musikern mit herzlichem Beifall zu danken.

Von Michael Schäfer

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