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Souveräne Entertainer

Gandersheimer Domfestspiele Souveräne Entertainer

Vom umjubelten Auftritt im Frack und mit hochglänzenden Lackschuhen zum einsamen Arbeiten im heimischen Studio: „Comedian Harmonists 2 - Jetzt oder nie“ erzählt die Geschichte der Sänger nach der Auflösung der legendären Formation 1935. 

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Gandersheimer Domfestspiele eröffnen mit „Comedian Harmonists Teil 2 – Jetzt oder nie“.

Quelle: R

Bad Gandersheim. Mit dem vom Publikum lautstark gefeierten Stück in der Inszenierung von Sandra Wissmann wurden Freitagabend die Gandersheimer Domfestspiele eröffnet.

Nachdem Gottfried Greiffenhagen mit seinem musikalischen Schauspiel „Comedian Harmonist“ von 1997 großen Erfolg hatte, schrieb er auch den zweiten Teil des Lebens der großen Sänger. Den haben jetzt auch die Gandersheimer Domfestspiele aufgegriffen – waren auch sie doch mit Teil eins in den vergangenen Jahren erfolgreich.

Gandersheimer Domfestspiele eröffnen mit „Comedian Harmonists Teil 2"

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Im Mittelpunkt der Geschichte steht Harry Frommermann, im Mittelpunkt der Aufführung natürlich die Lieder der Comedian Harmonists.  Aus der Perspektive Harrys, der das Ensemble einst gegründet hat, wird erzählt. Frommermann bastelt 1975 in seinem Studio am perfekten Sound eines Vocal Orchestras. Dabei erinnert er sich an die Zeit mit den Comedian Harmonists, an die unterschiedlichen Wege, die die Sänger nach 1935 gingen. Gespickt ist das Ganze natürlich mit den Liedern der Harmonists.

Das klare Bühnenbild (Britta Tönne) löst das Spiel mit den Zeitebenen clever. Das Studio des alten Frommermann – schön 70er Jahren mäßig ausgestattet mit Plattenspieler, Tonband, alten Lampen und weinrotem Telefon – ist halb im Bühnenboden versenkt. Dahinter spielen auf drei wie große Bilderrahmen gestalteten Bühnen die verschiedenen Episoden der Vergangenheit.

Die drei jüdischen Sänger des Ensembles müssen 1935 emigrieren. Bob Biberti, Erwin Boots und Ari Leschnikoff bleiben in Deutschland. Zu einem gemeinsamen Schritt mit Harry, Erich Collin und Roman Cycowski als Comedian Harmonists im Ausland weiterzumachen können sich die drei nicht entscheiden. Biberti sammelt unter dem Namen „Meistersextett“ ebenso neue Sänger um sich wie Frommermann in Wien als Comedy Harmonists. Nie aber können diese Formationen an alte Erfolge heranreichen. Frommermann muss mit seinen Kollegen mehrfach alles aufgeben, aus Wien geht es nach Zürich, später in die USA. Auch für das Meistersextett ist im immer finsterer werdenden Deutschland schließlich Schluss, bereits 1938 verlässt mit Erwin, der Arrangeur, das Ensemble, 1941 wird das Sextett verboten. Frommermann kann das Ende der Comedian Harmonists nie verwinden, seine Versuche mit dem Vocal-Orchestra deprimieren ihn.

David Schüler (Ari), Lucas Baier (Erich), Fehmi Göklu (Roman), Philipp Nowicki (Harry), Dominik Müller (Biberti) und Christian Nolte (Erwin / Musikalische Leitung) sind wunderbare Harmonists. Nach kurzen anfänglichen Unsicherheiten beim tiefen Bass geht es souverän durch das große Repertoire – stürmischen Applaus des Publikums erntet unter anderem ein hinreißendes „Veronika, der Lenz ist da“. Die sechs sind nicht nur sichere Sänger, sondern haben auch Talent als Entertainer. Dabei sticht Nowicki als junger Frommermann etwas hervor. Ullrich gibt einen anrührenden alten Frommermann.

Ungleich schwieriger als bei Teil eins ist die Thematik von „Comedian Harmonists 2“. Dem ist das Ensemble schauspielerisch nicht immer gewachsen. Zudem können die schwierigen Fragen der Trennung der Musiker, der komplizierten Verhältnisse von Emigranten und Deutschen, die in Nazi-Deutschland blieben, in dieser Geschichte im Zeitraffer nur oberflächlich gestreift werden. Das muss einen aber bei diesem ansonsten sehr gelungenen Festspiel-Sommerstück vielleicht nicht stören.

Nächste Vorstellungen: 10. , 24., und 28. Juni, 1., und 4. Juli, jeweils um 20 Uhr.

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