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Ganz nah an Kaiser und Königin

Joseph restauriert Eberlein-Werk Ganz nah an Kaiser und Königin

Dort stehen sie nun, Napoleon, der große französische Kaiser, klein an Wuchs, und Luise, die schöne Königin von Preußen. Es ist ein bisschen staubig in dem Raum in der Göttinger Musa, Königin und Kaiser sehen ramponiert aus.

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Tönern: Napoleons modellierter Kopf.

Quelle: Jan Vetter

Das soll sich bis Anfang März ändern, denn der in Wibbecke lebenden Künstler und gelernte Steinmetz Erhard Joseph restauriert sie für eine Ausstellung. Die Plastik soll im März in einer Schau zum 200. Todestag Luises, laut Joseph „zu ihrer Zeit ein Star wie Sissi oder Lady Diana“, vom 6. März an im Charlottenburger Schloss in Berlin gezeigt werden, später vielleicht noch im Ostpreußenmuseum in Lüneburg.

Es ist einer der weniger schweren Fälle. Mehr als 70 Werke Eberleins hat Joseph schon restauriert, darunter eine Reihe von Arbeiten, die nur noch in mehr oder minder großen Bruchstücken vorhanden waren. Eberlein (1847 – 1926), in Spiekershausen geboren und im Alter von acht Jahren nach Hann. Münden gezogen, hatte seiner Heimatstadt rund 300 Skulpturen vermacht, Anfang der 1960er Jahre hatten Mitarbeiter der Stadtverwaltung die meisten davon zerschlagen und die Bruchstücke als Füllmaterial unter die Dielen im Schloss geschüttet (Tageblatt berichtete).

Napoleon und Luise waren weitgehend erhalten, lediglich der Kopf des Kaiser war verschwunden, der der Königin arg ramponiert, als Joseph im Dezember vergangenen Jahres mit der Arbeit an der Gruppe begann. Mehrfach bereits war die Plastik auseinander gesägt und wieder zusammengefügt worden, ein übliches Vorgehen für einen Transport, erklärt Joseph. Er erleichterte das Werk von Innen heraus um „mehrere Zentner bröckeligen Gipses“, eine sehr staubige Arbeit, die er vor dem großen Schnee noch im Garten seines Hauses in Wibbecke ausführte. Er baute ein Untergestell auf Rollen und verstärkte die Figuren mit Metallstreben. Mit viel Glück konnte er schließlich das Werk in sein Atelier in der Musa umsetzen. Nicht die Türen seien das Problem gewesen, so Joseph. „Die Gruppe hätte beinahe nicht in den Fahrstuhl gepasst.“

Im seinem Arbeitsraum rekonstruierte er dann vor allem Napoleons Kopf. Fotokopien von Fotos der Plastik hängen an der Wand, nach denen der Bildhauer sich richtete. Der Hinterkopf habe ihm die meisten Probleme bereitet, berichtet Joseph. Proportionen und Ausstrahlung sollten stimmen. Inzwischen ist er mit dem Ergebnis zufrieden. Joseph verwendete Ton, später wird er vom Kopf eine Form herstellen, die schließlich mit Gips ausgegossen wird.

Kleinere Arbeiten wie das Ansetzen des berühmten Napoleon-Hutes, den Eberlein seiner Figur in die Hand drückte, oder einen Teil der Handschuhe, die der Kaiser in der anderen hält, sind längst erledigt. Am Bein Napoleons klafft noch ein Loch, das Joseph nach und nach aufarbeitet, also schließt. Jetzt freut er sich auf das Tönen der Figurengruppe, das er als Belohnung sieht. Anders, als bei einem Ensembles, das er im vergangenen Jahr eher dunkel-grünspanig restaurierte, bleiben Napoleon und Luise relativ hell.

Von Peter Krüger-Lenz

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