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Gastauftritt der Keiga Dance Company aus Uganda in Göttingen

Thema Genitalverstümmelung Gastauftritt der Keiga Dance Company aus Uganda in Göttingen

Die Keiga Dance Company aus Uganda gilt als eine der führenden zeitgenössischen Tanzgruppen Ostafrikas. Gerade hat das Ensemble ein Gastspiel im Jungen Theater gegeben. Thema war die Genitalverstümmelungen von Frauen.

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Künstlerische Arbeit sozial und politisch motiviert: die Keiga Dance Company.

Quelle: Vetter

Göttingen. Göttingen. Die Keiga Dance Company aus Uganda gilt als eine der führenden zeitgenössischen Tanzgruppen Ostafrikas. Gerade hat das Ensemble ein Gastspiel im Jungen Theater gegeben. Thema war die Genitalverstümmelungen von Frauen.
Da ist sie, die Unschuld, um die sich alle reißen, sich prügeln und an der sich alle vergehen. In der Ecke sitzt sie und ist verängstigt. Hartes Licht und dunkle Schatten fallen auf die Bühne, während die Füße der drei anderen Tänzer lautstark auf den Boden stampfen und die Wände des Jungen Theaters zum Erzittern bringen.

Die künstlerische Arbeit der Company ist sozial und politisch motiviert. In ihren Choreographien verarbeitet sie Themen wie das ugandische Anti-Homosexualitätsgesetz, häusliche Gewalt, den ständigen Krieg im Kongo oder, wie an diesem Abend, die Genitalverstümmelung.

„Scars of Innocence“ haben die Tänzer Jonas Byaruhanga, Samuel Ibanda, Ken Ssewanyana und Ruva Walter ihre Choreographie genannt, und die Entstehung der Narben kann beim Betrachten des Tanzes nachempfunden werden. Es ist ein abstrakter Zugang zu Leid, Schmerz und Gewalt. Während das Auge durch die Ästhetik der Bewegungen, die überladende Energie der Körper und den stetigen Wandel der Form geleitet wird, erschallen Schreie und Wehklagen. Ein greifbare Gewalt in einer unwirklichen Welt. Die Tänzer verschmelzen miteinander und lösen sich, werden zu Symbolen und Archetypen, um sich dann wieder aufzulösen und auch Person zu sein.

Verwoben mit atmosphärischer Musik

Das Repertoire der Tanzformen ist hauptsächlich zeitgenössisch, wird aber durchbrochen von traditionellen Elementen verschiedener ostafrikanischer Kulturen. Gesänge und Wortformeln, wie sie bei Beschneidungszeremonien üblich sind, werden verwoben mit atmosphärischer Musik. Immer wieder bricht das spannungsgeladene Tempo, wenn die Musik verklingt und Stille auf die Bühne einkehrt, nur um einen Augenblick wieder durch den treibenden Tanz vorwärts gepeitscht zu werden.

Seit 2004 existiert die Keiga Dance Company unter der Leitung von Jonas Byaruhanga und hat seither zahlreiche Kooperationen mit ugandischen und internationalen Tänzern auf die Beine gestellt. Ihre thematischen Tabubrüche machen Auftritte für die Company nicht immer einfach. So berichtet Byaruhanga nach der Vorstellung davon, wie die Truppe aus Bedenken um ihre Sicherheit das Stück „Orientation“, welches sich mit Homosexualität auseinandersetzt, nur in Europa spiele.

Mit „Scars of Innocence“ ist die Truppe hingegen weltweit unterwegs. Die Inszenierung kommt trotz des weiblich besetzten Themas ganz ohne Tänzerinnen aus. Für Byaruhanga hat dies nicht nur künstlerische Gründe, sondern sei auch ein Zeichen der Solidarität, denn Frauen hätten schon genug auf das Unrecht aufmerksam gemacht, jetzt könnten die Männer ihnen helfen.

Von Serafia Johansson

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