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Pocher: Übergriffig und ohne Tabu

#VOLL OP in der Stadthalle Pocher: Übergriffig und ohne Tabu

Das neue Programm von Comedian Oliver Pocher nennt sich #VOLL OP. In der Göttinger Stadthalle machte sich der Spaßmacher am Montag für sein Programm den Exhibitionismus der Menschen im Social-Media-Zeitalter zunutze.

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In der Göttinger Stadthalle: Oliver Pocher.

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. Wenn ein fernsehbekannter Komiker in der Stadt gastiert und es rund um den Veranstaltungsort noch Parkplätze gibt, ist das möglicherweise auch ein Indiz für dessen sinkende Popularität. Am Dienstagabend gastierte Comedian Oliver Pocher mit seinem Programm “#Voll OP” in der nur zu gut einem Drittel gefüllten Göttinger Stadthalle.

Das Bühnenbild ist spartanisch: vier Roll-Ups, ein Tisch mit Laptop sowie ein großer Videoscreen genügen dem gebürtigen Hannoveraner zur Gestaltung des Abends. Die Hip-Hop-Tänzer der Holodeck Skillz Kids aus Fulda gestalten das furiose Opening für Pocher. Dafür müssen sich die Jungen und Mädchen im Teenie-Alter nach ihrem Auftritt den peinlichen und schlüpfrig formulierten Fragen des Komikers stellen. Quasi zur Entschuldigung gibt’s ein gemeinsames Foto.

So offenbart sich das Konzept der Show gleich in den ersten Minuten: Heute wird sich auf Kosten anderer lustig gemacht. Ein Limit oder gar eine Schamgrenze scheint es für Pocher nicht zu geben. Ganz gleich, ob im Live-Vortrag, in den Video-Einspielern oder im direkten Kontakt mit den Besuchern. Der Großteil des Publikums braucht anfangs auch eine Weile, sich auf Pochers übergriffige Art ohne Tabus einzulassen. „Hat er das jetzt wirklich gesagt“, zeigt der Blick in die Augen der Besucher und dann ist es zum Lachen auch schon fast zu spät. Wie sagte eine Besucherin: „Wenn Du auf Pipi-Kacka-Witzchen stehst, dann bist Du hier richtig.“

Keine Schamgrenze

Pocher macht sich für sein Programm den Exhibitionismus der Menschen im Social-Media-Zeitalter zunutze. Bereitwillig verraten die Besucher ihm ihre Social-Media-Accounts, deren Inhalte dann für alle im Saal sichtbar auf die Leinwand übertragen werden. Das wissen wohl auch die meisten hier, aber ob sie immer ahnen, wie weit der 39-Jährige bereit ist zu gehen? Alessandro, der Einzige im Saal, der sich zu seinem Tinder-Account bekennt, sicher nicht. Eine Viertelstunde lang kommentiert Pocher unter dem Gejohle der Besucher genüsslich die Fotos der jungen Frauen, nicht nur im Wort, er kommentiert auch in Alessandros Namen. Da wird im Anschluss einiges klarzustellen sein.

Mit Teenagern auf der Bühne

Mit Teenagern auf der Bühne: Oliver Pocher bei seinem Auftritt in der Stadthalle Göttingen.

Quelle: Christoph Mischke

Auch die Lehrerin für Mathematik und Religion, die mit ihrem Lebensgefährten in der ersten Reihe sitzt, bekommt den süffisanten Humor des Komikers zu spüren. Biologie als Unterrichtsfach sei doch viel naheliegender, befindet Pocher mit einem Blick auf ihr Dekolleté, das er auch gleich mal für alle abfilmt. Tina (22) aus dem Iran und Dilber (27), Kurdin aus der Türkei, nehmen Pochers Anzüglichkeiten mit Humor, aber Tina scheint recht erleichtert, dass ihr Freund nicht ans Telefon geht, den Pocher von ihrem Smartphone aus anruft.

Hotspot und Schlaganfall

Für Markus, „nur 86 Follower auf Instagramm“, der Schwierigkeiten mit der Internetverbindung hat, legt Pocher fix einen Hotspot, um sich im Anschluss und sehr zum Gefallen des Publikums an dessen Fotos auf seinem Account abzuarbeiten. Die Frage „war das Bild vor oder nach Deinem Schlaganfall“ gehört noch zu den harmloseren.

Zwischendurch lebt die Show von einem Dauer-Bashing gegen alles und jeden: Bio-Supermärkte, die riechen wie bei Oma unterm Arm, hässliche Kinder, Helene Fischer, diverse Reality-Show-Formate wie „Naked Attractions“, „Let’s dance“ oder „Germany’s next Topmodel“. Selbst Kollegen kommen nicht ungeschoren davon. Mario Barth, den er ein Arschloch nennt, scheint er besonders nicht zu mögen. Immerhin schafft der Berliner es mit seinen Programmen, dass die Veranstaltungsorte locker ausverkauft sind.

Von Christoph Mischke

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