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Gastspiel von Scherbekontrabass im Nörgelbuff

Klassiker von Rio Reiser Gastspiel von Scherbekontrabass im Nörgelbuff

Mit Kontrabass und Rhythmusgitarren covern, interpretieren und erweitern Marius del Mestre und Akki Schulz als Duo Scherbekontrabass Klassiker von Rio Reiser und „Ton Steine Scherben“. Im Göttinger Nörgelbuff stellten sie am Donnerstag „Der lange Weg ins Paradies“ vor.

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Akki Schulz und Marius del Mestre sind das Duo Scherbekontrabass.

Quelle: r

Göttingen. „Damals gab es Utopien. Heute gibt es Dystopien“, meint Gitarrist und Sänger Mestre. Mit Schulz kramt er die eingemotteten Utopien Rio Reisers (1950-1996) wieder hervor. Denn die beiden sind überzeugt: „Wir brauchen Utopien. Man kann sich daran messen, sie aber nie erreichen. Wenn man sie erreicht, dann war es vielleicht doch nur eine gute Idee.“

Mal wild, mal gefühlvoll

Mestres Gitarrenspiel harmoniert wunderbar mit dem Kontrabass. Deswegen ist die Schreibweise „SCHERBEkontraBASS“ eigentlich falsch. Es müsste „cum“ heißen. Schulz spielt den großen Kontrabass mal wild wie ein Rocker, mal beherrscht und gefühlvoll wie im Orchester. Volltönend und beeindruckend veredelt er die Stücke.

Politisch, romantisch, maritim: Rio Reiser und die Scherben bieten inhaltlich und musikalisch eine große Bandbreite. Schulz Kontrabass kann jedoch mithalten. „Der Krieg“ wird bedrohlich untermalt, aber auch den durchdringenden Ton eines Schiffshorns oder Möwengekreische, passend zum Lied „Blinder Passagier“, kann Schulz seinem Instrument entlocken.

Aktuelle Scherben

Um politische Statements können und wollen sich die beiden Musiker nicht drücken. Immerhin sind die Lieder der Scherben zum Soundtrack der 1970er Jahre geworden. Linksalternativ und anarchisch, gespielt in der Berliner Hausbesetzer-Szene und auch heute noch gerne aufgewärmt, sind die Songs „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ und „Keine Macht für niemand“ nicht wegzudenken aus der deutschen Musikgeschichte. Die Scherben sind wieder aktuell, wenn sich Lieder wie „Wenn die Nacht am tiefsten“ auf die AfD münzen lassen, wie ein Zuhörer anmerkt.

Insgesamt ist das Publikum eher still begeistert. Scherbekontrabass wissen jedoch schon, dass der Nörgelbuff am Ende des Abends nicht brennen wird und passen ihre Aufforderungen zum Mitmachen dem Temperament des Publikums an. So schlägt Mestre einen „Sitz-Rockabilly“ oder einen „Sitz-Walzer“ vor. Die ganz übermütigen Zuhörer nicken dann auch mit den Köpfen im Takt der Musik.

Mit drei Akkustikgitarren, zwei tiefen Stimmen und einem grandiosen Kontrabass nehmen Mestre und Schulz das Publikum für sich ein. Unter fünf Zugaben lässt man sie nicht mehr von der Bühne gehen.

Von Jorid Engler

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