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Gefühlstrunkene Sternstunde

Konzert des GSO Gefühlstrunkene Sternstunde

Einen rundum begeisternden Abend bescherte das Göttinger Symphonie Orchester am Freitag seinem Publikum in der gut besuchten Stadthalle. Verheißungsvoll der Beginn: Mit viel Temperament, bezaubernder Flexibilität in den Tempi und ungarischem Puszta-Feeling präsentierten die Musiker unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller die „Tänze aus Galanta“ von Zoltán Kodály – ja es schien stellenweise, als habe sich Mueller von dieser Musik zu einem Tanz auf dem Podium anstecken lassen.

Nicht ganz so ausgelassen, aber nicht minder leidenschaftlich ist die Musik von Carl Maria von Weber in seinem zweiten Klarinettenkonzert Es-Dur. Wolfgang Meyer war mit dem Solopart betraut: Seine Virtuosität kennt kaum Grenzen, sein Pianissimo (etwa im berückenden langsamen Satz) ist so hauchzart, als käme es aus fernen Unendlichkeiten zu uns. Dazu verfügt er über eine makellose Technik. 

Zauberhafte Sehnsüchte

Mit Astor Piazzollas Milonga „Oblivion“ bedankten sich Solist und Orchester für die Beifallsstürme vor der Pause. Schon dieses zauberhafte Stück allein, bei dem Sehnsüchte auf musikalischem Wege sich in ein  körperlich spürbares Gefühl umsetzen, wäre einen Besuch der Stadthalle an diesem Abend wert gewesen. 

Diesen Prozess der Gefühlstrunkenheit fortzusetzen,  war Tschaikowskys fünfte Symphonie genau das richtige Finale. Prächtig die diversen Soli, von denen John G. Feiders edel-zarte Hornmelodie im zweiten Satz besonders hervorgehoben sei, nachdem zuvor im Kodály sein Klarinetten-Kollege Manfred Hadaschik das Publikum hatte betören können. Große Spannungsbögen baute Mueller  auf, verband Temperament und Präzision aufs Schönste. Kein Zweifel: eine Sternstunde dieser Saison.

Michael Schäfer

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Musikalisch in Kontakt: Solist Wolfgang Meyer (links) und Dirigent Christoph-Mathias Mueller.

Quelle: Heller
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