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Geigenhof-Quartett und Hanna-Carlson-Quartett zu Gast in Göttingen

Doppelte Liebe Geigenhof-Quartett und Hanna-Carlson-Quartett zu Gast in Göttingen

Musiker gehen gern doppelte Liebesverhältnisse ein – etwa dann, wenn sich ein Klassik-Fan auch für Jazz begeistert. Eine derartige Doppel-Liebe pflegt Wojtek Bolimowski, zweiter Konzertmeister des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO).

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Klassik und Jazz: Martin Tschoepe, Bernd Nawothnig und Wojtek Bolimowski (von links).

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Mit seinem „Geigenhof-Quartett“ bestritt er am Montagabend die Rathaus-Serenade des GSO – eine Insel der Musik im Dunstkreis von Glühwein und Bratwurst.

Im Quartett spielen neben Primarius Bolimowski die GSO-Kollegen Jordi Herrera Roca (Violine), Atsushi Komatsu-Hayakawa (Bratsche) und Zherar Yuzengidzhyan (Violoncello). Für originale Jazz-Klangfarbe sorgte zusätzlich das Quartett der Sängerin Hanna Carlson mit Uwe Meile (Keyboard), Andreas Jaeger (Gitarre), Martin Tschoepe (Bass) und Bernd Nawothnig (Schlagzeug) sowie als Gast Anton Säckl (Flöte, Saxofon).

Die erste Hälfte des Programm war Johann Sebastian Bach gewidmet: Neben einem Satz aus der Partita h-Moll für Solovioline waren ein Satz aus der Triosonate des „Musikalischen Opfers“, zwei Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier in Mozarts Bearbeitung für Streichquartett und drei Contrapunctus aus der „Kunst der Fuge“ zu hören.

Zunächst erklangen diese Werke in ihrer Originalgestalt, anschließend in einer improvisierten Jazz-Fassung mit Bass und Schlagzeug. Wobei die Jazzversion dem Original stets nur eine klein dosierte Prise Swing-Rhythmen und leichte Veränderungen der Tonfarbe hinzufügte.

Gut so, denn Bach pur ist in sich vollkommen, verträgt beispielsweise kaum aus dem Stegreif dazu erfundene Bass-Linien. Vor allem der Contrapunctus 3 aus der „Kunst der Fuge“, von Bach schon mit ausgesprochen schwingenden punktierten Rhythmen komponiert, passte perfekt in dieses Konzept.

Die zweite Hälfte des Abends war George Gershwin gewidmet. Bolimowski hat Gershwins Songs sehr geschmeidig für Streichquartett arrangiert, dessen Klang durch die Jazz-Instrumente des Hanna-Carlson-Quartetts zu einem veritablen Kammer-Jazz ergänzt wird.

Carlson konnte mit ihrem klangschönen, bemerkenswert entspannten Stimmeinsatz das Publikum nachhaltig betören – mit zehn Songs von „A foggy day“ über „Summertime“ und „The man I love“ (in dessen Einleitung Bolimowski ein „Tristan“-Zitat versteckte) bis „But not for me“. Viel Beifall, viele Zugaben.

Das Programm ist noch einmal am Sonntag, 7. Dezember, um 19.45 Uhr im GDA-Wohnstift, Charlottenburger Straße 19, zu hören.

Von Michael Schäfer

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