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Geigerin Rachel Kolly d’Alba und Pianisten Christian Chamorel in Göttingen

Sturm der Gefühle Geigerin Rachel Kolly d’Alba und Pianisten Christian Chamorel in Göttingen

Wollte man ein Motto über dieses Konzert stellen, müsste es „Leidenschaft“ heißen. Die Schweizer Geigerin Rachel Kolly d᾽Alba gastierte am Sonntag im zweiten Aulakonzert der Saison zusammen mit dem Pianisten Christian Chamorel, ihrem Landsmann.

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Leidenschaftlich: Geigerin Rachel Kolly d᾽Alba und der Pianist Christian Chamorel.

Quelle: Heller

Göttingen. Auf dem Programm des Abends standen zwei Werke, mit denen die Musiker ihren Beitrag zum Saisonthema „Vom südlichen Kolorit“ der Göttinger Kammermusikgesellschaft lieferten.

Dazu spielten sie zwei der populärsten Violinsonaten aus Klassik und Romantik: Beethovens virtuose „Kreutzersonate“ und die wunderbar schwelgerische A-Dur-Sonate von César Franck.

Gleich in den drei Miniaturen aus Strawinskys „Suite Italienne“ zeigte d᾽Alba, was sie musikalisch am meisten fasziniert: die große Emotion, der Sturm der Gefühle. Den satten Sound der tiefsten Geigensaite verstärkt sie noch mit besonders breitem Bogenstrich, ein keuscher Lagenwechsel, den man am besten gar nicht hört, ist ihre Sache nicht: Das darf schon mal mit Leidenschaft gleiten, schließlich soll die Musik doch mitreißen, den Hörer in Wallung bringen.

Das mag stellenweise zu Strawinskys Pergolesi-Paraphrasen passen, auch wenn man sich die Pulcinella-Musik, die dieser eigentlich siebensätzigen Suite zugrundeliegt, viel trockener, ironischer, spitzer vorstellen kann. Beethovens Kreutzersonate freilich wird von diesem temperamentvollen Ansturm ein wenig lädiert.

Zwar hat Beethoven die Sonate nach eigenen Worten „in einem äußerst konzertanten Stil, quasi wie ein Konzert“ geschrieben, doch die Solistin entfernt sich in ihrer Interpretation sehr weit von der Stilebene von 1803. Es klang beinahe, als sei ein Eichendorff-Gedicht in expressionistische Lyrik verwandelt.

Auch die Sonate von César Franck kann man sich schlichter vorstellen. Wenn Steigerungen immer wieder schnell ihren Höhepunkt erreichen, nutzt sich ihr Effekt mit der Zeit ab – würde man die Klimax-Wirkung verzögern, statt sie so früh zu erfüllen, stiege die Spannung erheblich. Dennoch blieb diese ausgesprochen virtuos und leidenschaftlich interpretierte Sonate faszinierend: Dieser Stil ist bei Rachel Kolly d᾽Alba keine aufgesetzte Attitüde, sondern authentischer Ausdruck ihres musikalischen Denkens.

Die rhythmisch wie melodisch spannungsreiche „Suite Populaire Espagnole“ von Manuel de Falla stand am Ende dieses Abends: hochpräzise im Zusammenspiel, mit überaus reizvollen Farbwerten. Christian Chamorel glänzte abermals mit seinem kraftvoll-virtuosen Klavierspiel, mit dem er der musikalischen Leidenschaft seiner Partnerin in nichts nachstand. Für den lautstarken Beifall gab es zwei Zugaben: eine kleine Zärtlichkeit von Ernst Chausson und einen mitreißenden Ragtime, 30 Sekunden witzige Kurzweil.

Das nächste Aulakonzert steht am Sonntag, 15. November, in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1, auf dem Programm. Das Fine Arts Quartet aus den USA ist ab 19.45 Uhr zu Gast. Karten gibt es unter anderem in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Jüdenstraße 13c in Göttingen und Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.

Von Michael Schäfer

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