Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
„Geil, wenn der Humor durchkommt“

Mit Star-Rapper Samy Deluxe im Studio „Geil, wenn der Humor durchkommt“

Timo Heß ist ein bisschen angespannt, als er aus dem Auto steigt im Industriegebiet in Brakel vor den Toren Hamburgs. Der 17-jährige Schüler der Voigt-Realschule in Göttingen trifft hier sein Idol – den 32-jährigen Rapper Samy Deluxe. Der hat im Mai sein Tonstudio hierher verlegt, an einen Ort mit Geschichte.

Voriger Artikel
Mit neuem Album abermals Anlauf zum Ruhm
Nächster Artikel
Zauberkraft gegen Zwangsheirat

Fan und Rap-Star gemeinsam im Studio: der Göttinger Timo Heß (links) und Samy Deluxe in Brakel.

Quelle: Barz

Undeutlich sind noch die Buchstaben über dem Eingang zu dem schmucklosen Zweckbau zu lesen. Hier haben sich vor Jahren die Großen der Metal-Szene die Klinke in die Hand gegeben, erklärt Deluxe. Jetzt wird in den Originalräumen gerappt.

Deluxe, ein Star in der Szene, ist locker. Die „Möglichmacher“, eine Aktion des Versandhauses neckermann.de zum 60-jährigen Bestehen und zum 15. Jahrestag des Online-Shops www.neckermann.de, hatten ihn angerufen und gefragt, ob er Heß’ Wunsch erfüllen wolle und einen Tag mit dem Fan im Studio verbringen würde. Deluxe sagte zu, er ist offen für die Arbeit mit Jugendlichen. Mit seinem Verein „Crossover“ bringt er Jugendliche unterschiedlicher Schichten zusammen und macht mit ihnen Musik.
Jetzt also trifft Timo den Mann, der ihn zum Rap brachte. Vor einem Jahr habe er eine Platte des Stars gehört und selbst mit dem Texten begonnen, sagt Heß. „Das Leben“ heißt sein Lied, das er im Studio aufnehmen wird, „15 oder 16 habe ich schon geschrieben“, sagt der junge Mann. Deluxe will den Text sehen: „Wo hast Du ihn denn?“. Heß bleibt cool: „In meinem Kopf.“ Also schreibt er ihn auf einen Zettel. Deluxe liest und ist ein wenig skeptisch.

Dann steht Heß vor dem Mikrophon. Der Raum um ihn herum ist groß und unaufgeräumt. Eine starke Glasscheibe trennt ihn von Deluxe und dem Tontechniker, der an dem gigantischen Mischpult sitzt. Das Lied handelt tatsächlich vom Leben zwischen dem Kindergartenbesuch („Einen Tag später waren wir schon hacke und dicht“) und den Enkeln. De­luxe kichert ein bisschen, dann lacht er: „Geil, wenn der Humor durchkommt.“ Seine Einschätzung: „Cool, auf jeden Fall. Irgendwann kommt so ein Schmunzeln rein.“ Sein Rat für Heß: „Das sind ein bisschen wenig Wörter – oder du musst es anders betonen.“ Und: „Fühl einfach den Groove.“

Weitere Aufnahmen folgen. Der Anfang holpert ein wenig, Deluxe nennt es „etwas vernuschelt“. Heß erklärt: „Mein Gehör ist auch nicht das beste.“ Schon als Kleinkind lebte er mit dieser Einschränkung, er trägt in jedem Ohr ein Hörgerät. Doch jetzt wird er mit jeder Minute entspannter, sein Sprechgesang deutlich selbstbewusster. Nach etwa drei Stunden ist der Song eingespielt, hier arbeiten Profis. „Vor einem Jahr hast du mit dem Schreiben angefangen? Dann bist du auf einem guten Weg“, lobt Deluxe.

Das Ende der Aufregung bedeutet das allerdings noch nicht. Das Versandhaus hat ein Filmteam engagiert, dass den Studiotag begleitet. Nach dem Singen wird Deluxe interviewt, sein neues Album soll im März oder April nächsten Jahres erscheinen. „Es geht um Kontraste und wird eine Mischung aus live und Electronic“, verrät der Rapper vorab.

Dann muss auch Heß vor der Kamera Rede und Antwort stehen. Christian Barz fotografiert derweil. Er mache vor allem Plattencover, erklärt er. Aber auch Paris Hilton war schon in seinem Studio. Und Bruce Willis fotografierte er in den USA für die Veltins-Werbung – und jetzt eben Timo Heß. Der bekommt am Ende des Tages eine frisch gebrannte CD mit seinem Lied, die Deluxe signiert. „Da seht ihr, wie das Leben so ist“, sagt er am Schluss, „jetzt stehe ich hier im Studio von Samy De­luxe, dank Neckermann.“ Und der gibt ihm noch mit auf den Weg: „Das ist gut, man muss sich auch mal feiern.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers