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Geistliche Musik und israelischer Bibel-Pop

Drei Kantoren Geistliche Musik und israelischer Bibel-Pop

Israelische Popmusik und Gesänge aus dem Gottesdienst, kraftvolle jiddische Lieder sowie jüdische Hochzeitsmusik aus der Türkei: Einen breiten Bogen spannten „Die Drei Kantoren“ aus Berlin während ihres mitreißenden Konzerts am Donnerstag in der reformierten Kirche in Göttingen.

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Quelle: Bänsch

Göttingen. Wie in einer Sportarena erheben sich die Sitzreihen in Göttingens calvinistischem Gotteshaus an der Unteren Karspüle 11. 100 Bürger wollten die Musiker hören, die teils aus Israel stammen, teils dort studiert haben. 2013 fand sich die Gesangsformation zusammen, um beim Jahresempfang der israelischen Botschaft in Berlin für Unterhaltung zu sorgen. Die drei Gründungsmitglieder studierten damals an der Kantorenschule des Abraham-Geiger-Kollegs, das zur Universität Potsdam gehört.

„Kantoren spielen im jüdischen Gottesdienst eine wichtigere Rolle als der Rabbi“, führte Sänger Assaf Levitin (Bass) aus. „Das Amt hatte einst einen so hohen Stellenwert in der Gesellschaft, dass die Kantoren von den Steuer befreit waren“, ergänzte Jaqueline Jürgenliemk, die Vorsitzende der liberalen Jüdischen Gemeinde. Die Gemeinde richtete das Konzert gemeinsam mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit aus.

Schöne Äpfel im Garten

„Mit dem Arrangement von israelischen Pop-Songs haben wir 2013 begonnen“, erklärte Levitin. Die Stücke hätten fast alle einen religiösen Bezug. Liebeslieder israelischer Popmusiker griffen oft Bilder aus dem Hohelied der Bibel auf, in dem ein Mann seine Geliebte besingt. Vom Wind, der die schönen Äpfel in Garten streichelt, handelte eines dieser Stücke, das die drei Sänger mit ihren vollen, raumfüllenden Stimmen vortrugen.

Typisch für israelische Popmusiker, so Levitin, sei das Vertonen von Gedichten. „Das wäre so, als ob in Deutschland Rammstein Texte von Friedrich Schiller sänge“, erklärte Sänger Amnon Seelig (Bariton). Yehudit Ravitz komponierte etwa die Musik zu einem Gedicht von Leah Goldberg über einen, „der nicht glaubt“. Levitin: „Der Zweifel ist Teil der jüdischen Tradition.“ Zu den Popstücken zählte ferner eine Lobeshymne auf den Wassersprenger, der die Wüste zum Erblühen bringt. Dessen Geräusche ahmten die Kantoren zur Freude des Publikums lautmalerisch nach.

Ergreifend im Leichengewand

A cappella trugen die Sänger die Eröffnungssätze des Morgengebets vor. Sie priesen die „gesegnete Königin“, den Ruhetag Schabbat. In einem anderen Lied dankten sie den „Engeln des Friedens“, die sie am Schabbatabend auf dem Rückweg von der Synagoge beschützt hatten. Ergreifend waren die Lieder, die zu Jom Kippur, dem Fasten- und Bußtag, in der Synagoge erklingen. Gekleidet in ein Leichengewand bitten Juden Gott um Vergebung der Sünden. Vom Komponisten Maurice Ravel erklang dessen Kaddisch, das Totengebet.

Doch das Repertoire der Gruppe, zu der noch Tal Koch (Tenor) und Naama Wagner (Klavier) zählen, reichte weiter. Das Publikum hörte ein jüdisches Hochzeitslied zu einer traditionellen türkischen Melodie, dass die Sänger mit Schwung vortrugen. Sie interpretierten sephardische Musik, Stücke der Juden, die einst aus Spanien vertrieben worden waren. Orientalisch war ein Stück aus dem Jemen. Mit erhobenen Händen sangen die Kantoren ein mitreißendes Lied der Chassiden, der Ultraorthodoxen, die das Kommen des Messias noch in diesem Jahr herbeisehnen.

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