Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Geistreicher Witz der Komposition

Göttinger Symphonie-Orchester Geistreicher Witz der Komposition

Ein kontrastreiches Programm bot das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) seinem Publikum am Donnerstag in der Stadthalle, die wie beim ersten Konzert dieser Reihe – wohl wegen der Abkehr vom gewohnten Freitagstermin – nicht so gut gefüllt war wie früher. Am Pult stand ein besonderer Gast: Othmar Mága. Der heute 83-jährige Musiker war von 1962 bis 1967 Chefdirigent des GSO.

Voriger Artikel
Leidenschaft und Feuer, Zärtlichkeit und Poesie
Nächster Artikel
Breites Spektrum verschiedener Klangfarben

Das Göttinger Symphonie Orchester

Quelle: Theodoro da Silva

Heiter und unbeschwert startete der Abend mit Jacques Iberts symphonischer Suite „Paris“, die das GSO zuletzt 2004 beim Festival „Experiment Geschwindigkeit“ aufgeführt hat. Die durchsichtige Besetzung, die farbige Instrumentierung – darunter Saxophon und Trillerpfeife – und der geistreiche Witz der Komposition konnten ihre Wirkung nicht verfehlen. Mága dirigierte sehr souverän, er hat es überhaupt nicht nötig, mit exaltierten Bewegungen auf sich aufmerksam zu machen.

Diese Souveränität benötigte Mága besonders für Beethovens Klavierkonzert c-Moll, das im Zentrum des Abends stand. Solist Pietro Massa machte es seinem Dirigenten nicht ganz leicht, auf Kurs zu bleiben. Die Tempi des Pianisten gerieten bisweilen – nicht unbedingt aus Gründen der Interpretation – aus dem Ruder: Hier schien er leicht zu schleppen, an anderen Stellen stürmte er unvermittelt los. Immer wieder störten technische Mängel die Gleichmäßigkeit des Flusses, was auch die Formung größerer melodischer Bögen beeinträchtigte.

Dafür bot das gewichtige Schlussstück des Abends eine besonders spannende (Wieder-)Entdeckung. Die cis-Moll-Symphonie von Hans Pfitzner ist ein kolossales Werk – zunächst (1925) ein Streichquartett, vom Komponisten 1932 für großes Orchester bearbeitet. Die musikalische Substanz der Komposition rechtfertigt ein solches Arrangement, zumal dann, wenn man sich an einer derart reichen Klangfarbenpalette freuen kann. Vor allem der Beginn des langsamen Satzes ist meisterhaft in seiner kühnen Linienführung. Stellenweise waren die Streicher in dieser Aufführung nicht ganz präzise – doch gelang Mága mit seinen Musikern eine sehr ernsthafte, sehr bewegende Interpretation.

Diese Musik zu bewundern heißt nicht, damit die politischen Verirrungen des Komponisten gutzuheißen, der noch nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einer „Glosse zum II. Weltkrieg“ Hitlers Judenverfolgung als im Prinzip richtig gewertet hat. Doch bleibt Pfitzners Schaffen ein untrennbarer Bestandteil der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag