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Gelungener Auftakt des Kultursommers

Göttingen Gelungener Auftakt des Kultursommers

Ein ausverkauftes Deutsches Theater, eine besondere gut 90-minütige Lesung. Der Göttinger Kultursommer startete spektakulär mit Raumpatrouille und Memory Boy von und mit Matthias Brandt und Jens Thomas, die dem Zuschauer eine Zeitreise in die späten 1960er und frühen 1970er Jahre ermöglichten.

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Matthias Brandt und Jens Thomas (Flügel) mit ihrem Projekt "Life - Raumpatrouille & Memory Boy" im Deutschen Theater.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. Der dreifache Grimme-Preis-Träger Matthias Brandt ist gefragt, er tritt in vielen Filmen auf und spielt Hörbücher ein. Sein literarischer Erstling „Raumpatrouille“ erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, ist ebenfalls sehr erfolgreich. „Die in diesem Buch enthaltenen Geschichten sind auch Teil eines Projektes mit meinem Bühnenpartner Jens Thomas“, sagt Brandt. „Viele von ihnen korrespondieren mit Songs auf dessen Album Memory Boy. Raumpatrouille und Memory Boy entstanden parallel und in ständigem Austausch, mal entwickelte sich der Song aus einer Geschichte, dann wieder war es andersherum.“ Mit diesem Programm waren Brandt und Thomas ins Deutsche Theater nach Göttingen gekommen. Die Veranstaltung seit Wochen restlos ausverkauft.

Gemütlich warm war es im Göttinger Tempel der Hochkultur. Kultursommer-Organisatorin Margot Blotevogel stellte das Programm (siehe Kasten) vor und kündigte die beiden Protagonisten an. Brandt und Thomas betraten Arm in Arm, in modischen schwarz gekleidet, die schwarz gehaltene, spartanisch ausgestattete Bühne. Ein Tisch, zwei Stühle, eine Piano, natürlich schwarz und zwei Mikrofone. Doch mit dem ersten Satz, den Brandt las, wurde es in den Köpfen der Zuschauer bunt. Mit starker Bühnenpräsenz las Brandt vom Ausbruch aus seiner Welt, die der Familie des Bundeskanzlers, in einen ganz gewöhnlichen Haushalt der Zeit. Mit der Familie eines Freundes schaute er gemeinsam 3 nach 9, der Refrain der Titelmelodie wurde mitgesungen und Wim Thoelke war auch schon wieder dicker geworden. Es gab TriTop und Champignonstreichkäse- und Salamibrote mit fächerartig aufgeschnittenen Gewürzgurken und Fürst-Pückler-Eis mit einer hineingesteckten Waffel. Viele Zuschauer hatten genau das in irgendeiner Form erlebt, was Brandt ihnen, immer virtuos und präzise unterstützt von Thomas, aus dem Gedächtnis entlockte. Brandt genoss damals den Ausflug ins normale Leben, um sich dann gleich schlecht zu fühlen, weil er seine Eltern (und ihr/sein Leben) zu verraten haben schien.

Dass Brand sein Kinderzimmer – beim Versuch Zaubertricks zu kreieren – abfackelte und danach ein Jugendzimmer von einem Innendekorateur bekam, das er als Katalogbehausung empfand, schilderte er ebenso farbig wie die Liebeserklärung an seinen Vater: Er wusste, dass nur sein Vater im Haus war und besuchte ihn in dessen Räumen, fand ihn, am Schreibtisch sitzend, leicht schnarchend vor. Brandt jun. traute sich nicht ihn zu wecken, also setzte er sich auf ein Sofa und las. Als der Vater erwachte, nahm er allen Mut zusammen und fragte, ob er ihm vorlesen könne. Wortlos stand Brandt auf und ging – um mit einen Glas Rotwein und einem Glas Milch wiederzukommen. Er setzte sich zu seinem Sohn, nahm das Buch und las. „Allerdings für sich, stumm“, erzählt Brandt. Dann habe er aber plötzlich den linken Arm um ihn gelegt und begann vorzulesen. „Irgendwie in meinem Bauch vibrierte seine Stimme, die noch besser klang als die von Pa aus Bonanza...“ Donnernder Applaus für Brandt und Thomas und eine gesungene Zugabe, das war Spitze.

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