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Geschlechterkampf

Kabarett Geschlechterkampf

Erst wird uns über Jahre das Machsosein ausgetrieben und dann heißt es beim Tangokurs plötzlich ,Nimm mich!’ und der Macho soll wieder da sein!“: Uli Masuth wundert sich in seinem Kabarettprogramm „Ein Mann packt ein“ nicht nur über die Gendertheorie und ihre Folgen, sondern auch über die fadenscheinigen Gründe der Wirtschaftskrise und gibt nebenbei erstaunlich verträumte Klaviermusik zum Besten.

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Den Macho noch nicht ganz verlernt: Uli Masuth.

Quelle: Peter Heller

Ein schwarzer Vorhang, davor ein helles Holzklavier: das nüchterne Bühnenbild entspricht dem rational wirkenden Uli Masuth im schwarzen Anzug. Er gibt sich ungeschminkt und ohne Umständlichkeiten. Zwei Stunden lang ist nichts zu sehen als dieser Mann, der entweder am Klavier sitzt oder einen Meter daneben steht und doch kann man sich seiner Präsenz zu keinem Zeitpunkt entziehen. 

Masuth glänzt durch Wortakrobatik wie durch lockeres Klavierspiel. Neben den beherrschenden Themen des Abends, wo es vor allem um den Geschlechterkampf und die politische und wirtschaftliche Stimmung im Lande geht, versucht er auch hin und wieder einen Tritt ins Fettnäpfchen. Seine sarkastischen Gedanken zu Rechtsextremismus und Organhandel kommen beim Publikum nur verhalten an und er bemerkt selbst: „Jetzt ist die Stimmung richtig im Arsch! – Aber so ist Kabarett! Und dabei ist das alles noch nicht mal frei erfunden!“

Verträumte Momente

Von den bitteren Momenten des Abends lenkt er schnell durch fröhlich verträumte Klaviermusik ab und leitet so wieder zu seinen Hauptthemen über. Indem er dem Publikum die Entwicklung des Landes vom herrschenden Patriarchat unter der Regierung Kohl über das „Testosteronat“ durch Schröder bis hin zum Matriarchat mit Bundeskanzlerin Merkel erklärt, macht er deutlich, wohin sich seiner Ansicht nach die Gesellschaft entwickelt hat: die Frauen haben die Männer überholt! Männer werden mehr und mehr zu „Zahl-Sklaven“! 

Seine stärksten Momente auf der Bühne hat Uli Masuth eindeutig dann, wenn er über „Frau Masuth“ und den ganz normalen Alltag zwischen Mann und Frau nachdenkt. Etwa, wenn er davon erzählt, wie seine Frau und er beschlossen hätten, sich Weihnachten nichts  zu schenken und für ihn klar war, dass „nichts“ auch „nichts“ bedeutet. - Dass Frau Masuth dann doch in Tränen aufgelöst war, hätte er sich als Mann nie träumen lassen. „Den Heiligen Abend vergesse ich mein Leben nicht!“ Starke Momente sind unter anderem auch die, in denen er von seiner Zeit als Organist einer verschlafenen katholischen Gemeinde erzählt oder Mehdorn als „Chef der Schienenstasi“ betitelt.

                                                                                                                            Von Indra Hesse

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