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Gewaltsame Sinnsuche, die aus dem Ruder läuft

Autorin Janne Teller liest Gewaltsame Sinnsuche, die aus dem Ruder läuft

Was wäre, wenn nichts im Leben eine Bedeutung hätte? Hätte das Leben dann überhaupt noch einen Sinn? Oder wäre es vielmehr sinnvoll, nach der Bedeutung zu suchen? Es sind solche Fragen, die im Zentrum der Lesung stehen, zu der die dänische Schriftstellerin Janne Teller auf Einladung des Literarischen Zentrums nach Göttingen gekommen ist. Es sind solche schwierigen, ja bedrückenden Fragen, mit denen sich die Protagonisten ihres Bestsellers „Nichts“ (2010, Hanser Verlag) beschäftigen.

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Schwieriges Thema, entspannte Stimmung: Marie-Thérèse Fontheim, Janne Teller und Michaela Rehm (von links).

Quelle: Hinzmann

Auslöser für die im Buch beschriebene gewaltsam aus dem Ruder laufende Sinnsuche einer Klassengemeinschaft ist die Erkenntnis des Schülers Pierre-Anthon. Am ersten Tag nach den Sommerferien, der Tag, an dem die Tische in der Schule so gerade stehen, wie eben nur an diesem Tag, behauptet der 13-Jährige: „Nichts bedeutet irgendwas. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das weiß ich schon lange.“ Mit diesen Worten schockiert er seine Mitschüler zutiefst. Sie fangen an, sich zu fragen, was wirklich Bedeutung hat im Leben.

Die Beschäftigung mit einer solchen Frage gehört zum Leben dazu, vielleicht zum Erwachsenwerden mehr als zum Erwachsensein. Auch im vollbesetzten Alten Rathaus sitzen viele junge Menschen und einige Schulklassen. Das Buch ist – nachdem es in Skandinavien zeitweise verboten war – auch im Schulunterricht angekommen.

Weil die Jugendlichen in „Nichts“ ihrer Frage nach dem Sinn des Lebens so dringend nachspüren, eskaliert ihr Tun. Sie einigen sich, Dinge, die ihnen wichtig sind, zu sammeln. Damit wollen sie Pierre-Anthon zeigen, was Bedeutung hat im Leben. Anfangs sind das grüne Sandalen, dann ist es die Unschuld eines Mädchens, dann der rechte Zeigefinger eines jungen Gitarristen. Auch ein Gebetsteppich, ein toter Junge samt Sarg und ein beinahe zerstückelter Jesus am Holzkreuz landen schließlich auf dem „Berg der Bedeutung“. Doch überzeugen kann all dies Pierre-Anthon nicht.

Die Schauspielerin Marie-Thérèse Fontheim vom Deutschen Theater leiht der Erzählerin an diesem Abend ihre Stimme. Sie liest sehr eindringlich, die Aufmerksamkeit im Publikum ist hoch. Die Philosophin Michaela Rehm führt als Moderatorin durch den Abend und lässt immer wieder Schüler zu Wort kommen, mit Fragen, mit Interpretationen, ein wenig wie Schulunterricht fühlt sich das an. Die Hauptrolle spielt aber Janne Teller. Sie erklärt, wie die Schüler in ihrer Geschichte über den Eifer am Projekt die Menschlichkeit vergessen, dass Fanatismus entsteht, wenn eine gemeinsame Sache wichtiger wird als der einzelne Mensch. Und sie liest auch auf Dänisch. Nicht nur dafür danken ihr alle mit großem Applaus.

Von Björn Dinges

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