Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Ghost Pop aus Europa

Das Indie-Pop-Duo Sea+Air und Tom Klose im Kulturzentrum Musa Ghost Pop aus Europa

Ihr neues Album „Evropi“ (griechisch für Europa) ist gerade beim Glitterhouse Label in Beverungen erschienen. 2011 gegründet, spielten Sea+Air inzwischen über 600 Konzerte in 22 Ländern. Nun trat das griechisch-deutsche Musikerehepaar Eleni Zafiriadou und Daniel Benjamin im Kulturzentrum Musa auf.

Voriger Artikel
Poetikvorlesung am Wilhelmsplatz
Nächster Artikel
„Abba Gold“ in der Göttinger Stadthalle

Eleni Zafiriadou (Foto) und Daniel Benjamin von Sea+Air spielen eine eigenwillige Mischung aus mediterranen Melodien.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Es fällt schwer, die Musik des Duos einer Schublade zuzuordnen. Sie selbst bezeichnen sie als „Ghost-Pop“, eine ganz eigenwillige Mischung aus mediterranen Melodien, gespielt mit teils ausgefallenen Instrumenten wie dem Cembalo oder der griechischen Bouzouki.

Zusätzlich bedienen beide Musiker verschiedene Gitarren, Perkussionsinstrumente und Keyboards. Hinzu kommen ihre charismatischen Stimmen, die über den großflächig orchestral angelegten Kompositionen mit teils ­verwirrenden Songstrukturen schweben. So entsteht eine faszinierende Mischung aus akustischer Popmusik, gepaart mit Indie-Rock, Folkanleihen und experimentellen Sounds.

Zu stürmischem Meeresrauschen erscheinen Zafiriadou und Benjamin auf der dunklen Bühne und entzünden feierlich einen Kerzenleuchter. Eine perfekte Inszenierung, bevor sie sich an die Instrumente begeben und die Choralgesänge zu dem getragenen Opener „We all have to leave someday“ den Raum erfüllen. „Wir sind Sea and Air aus Europa“, haucht Benjamin ins Mikrophon, bevor „Lady Evropi“ Griechenlands zwiespältige Beziehung zu Europa thematisiert.

Exzessive Trommelgewitter, hämmernde Keyboards, schrille E-Gitarrenriffs und fast klagend, kreischender Gesang von Zafiriadou wie in „Pain is just a cloud“ wechseln mit zarten Klängen wie in „Should I care“, das von der möglichen Angst vor Flüchtlingen handelt.

Ärgerlich, dass das Hörvergnügen von Beginn an durch völlig übersteuerte Bässe und Höhen geschmälert wird, ein Problem, das sich leicht gemindert durch das ganze Konzert zieht. So wird die teils etwas überfrachtete Musik des Duos zur Last. Der Funke will nicht so richtig überspringen, obwohl das Publikum dem Duo offensichtlich sehr zugetan ist.

Sea+Air haben sicher eines der spannendsten Pop Alben des vergangenen Jahres veröffentlicht, aber die Umsetzung auf der Bühne will nicht so richtig zünden. Der Abend endet dann auch nach einer knappen Stunde mit dem feierlichen „You are“. Ein Konzert, das große Erwartungen schürte, aber letztendlich am Sound und an den zu strukturierten Songs scheitert, die wenig Spontanität zulassen.

Vorweg gab der Hamburger Singer-Songwriter Tom Klose nur zur akustischen Gitarre und Loopstation mit bemerkenswerter Stimmgewalt Kostproben seines Folk-Rock Albums „From weeds to woods“.

Von Jörg Linnhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff