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Virtuos, sensibel und intim

Giorgi Kiknadze Trio begeistert im Dots Virtuos, sensibel und intim

Der Hamburger Bassist Giorgi Kiknadze hat sich mit der Bearbeitung der Musik seiner Heimat Georgien für ein Jazztrio einen Wunsch erfüllt. Gemeinsam mit dem Pianisten Rainer Böhm und dem Schlagzeuger Konrad Ullrich präsentierte er sein „Georgian Songbook“ auf der Außenbühne des Göttinger Dots.

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Quelle: lin

Göttingen. Nach dem großartigen Quartett „Wood River“ aus New York findet mit dem Giorgi Kiknadze Trio innerhalb einer Woche ein weiteres Jazzkonzert der Extraklasse auf der Außenbühne des Dots statt. Das Konzert muss allerdings mit anderthalbstündiger Verspätung beginnen, da die Musiker von Berlin kommend lange im Stau gestanden hat. Dafür spielt das Wetter mit, der Himmel schließt rechtzeitig seine Schleusen und schafft so die Voraussetzung für einen stimmungsvollen Sonntagabend mit entspannten Jazzklängen für die rund 60 Besucher.

Kiknadze steht schon zum dritten Mal auf der Open-Air-Bühne des Dots. Nachdem er zuvor zweimal im Duo zu Gast war begleiten ihn nun mit Rainer Böhm und Konrad Ullrich zwei hochkarätige Musiker der Hamburger Jazz-Szene.

Kiknadze gilt als einer der facettenreichsten und virtuosesten Bassisten in Norddeutschland. Er wurde von seinem Vater, einem Komponisten und Saxophonisten, schon früh mit vielen Musikstilrichtungen in Berührung gebracht. Bevor er seine Leidenschaft für den Kontrabass entdeckte spielte Kiknadze Cello, Gitarre und Klavier.

Mit Böhm hat er einen der bekanntesten deutschen Jazz-Pianisten und mehrfachen internationalen Jazz-Preisträger für sein Vorhaben gewinnen können. Er gilt als „hoch virtuoser und kreativer Pianist, überragender Solist und sensibler Begleiter“.

Ullrich hat schon mit sieben Jahren mit dem Schlagzeugspielen begonnen und über die Schulbigband zum Jazz gefunden. Er war Mitglied des Bundesjugendjazzorchester unter der Leitung von Peter Herbolzheimer und ist ein langjähriger Freund von Kiknadze.

Auf dem Programm des Trios stehen kirchliche und weltliche Folklore Georgiens, aber auch Lieder von georgischen Komponistinnen und Komponisten, die sie in ihren jazzigen Bearbeitungen mühelos und virtuos in die Jetztzeit überführen. Kiknadze hat nach eigener Aussage mal ein georgisches Lied in eine Probe mit einfließen lassen. Dies gefiel seinen Mitstreitern so gut, dass daraus ein Projekt wurde.

Von der georgischen Liedermacherin Inola Gurgulia spielen sie gleich drei Bearbeitungen aus den 1960er- und 1970-er Jahren, die übersetzt schlicht „Mensch“ oder „Schaukel“ betitelt sind. Die Stücke zeichnen sich durch eine sensible, sehr intime, fast zerbrechliche Interpretation aus. Einem Kirchenlied aus dem 12. Jahrhundert folgt eine Alban Berg, einem der Lieblingskomponisten Kiknadzes, gewidmete Komposition.

Mit dem durch die Beatles bekannt gewordenen Jazz-Standart „´Till there was you“ verlassen sie kurzzeitig den georgischen Liederzyklus. Fließende E-Pianoläufe Böhms werden kongenial begleitet von der sehr variablen Perkussionsarbeit Ullrichs, während Kiknadzes Kontrabassspiel unaufgeregt druckvoll die Basis für den Groove legt. „Gelbe Blätter“ ist eine Komposition des laut Kiknadze berühmtesten lebenden georgischen Komponisten Giya Kancheli.

Im Großteil ihrer Bearbeitungen schaffen die Musiker eine entspannte, fast meditative Stimmung in ihrem intensiven, virtuos lyrischen Zusammenspiel. Zum Abschluss bekommt das fasziniert lauschende Publikum noch ein sehr lebhaftes Stück als Zugabe, in dem das Trio noch mal seine ganze musikalische Kraft und Spielfreude zum Ausdruck bringt.

Von Jörg Linnhoff

Die nächsten Veranstaltungen im Dots:

MaidaVale,Heavy Blues/Psychedelic Rock
Do, 06.07.2017, 21:00 Uhr

Brutus, Hard Rock aus Skandinavien
Do, 10.08.2017, 21:00 Uhr

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