Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Glubschäugige Fische, spitzschnabelige Insekten

Eugeny Krylov Glubschäugige Fische, spitzschnabelige Insekten

Der deutsche Künstler Max Ernst (1891-1976) zählte in den 20er Jahren zu den Begründern des Surrealismus und war einer der bedeutendsten Vertreter dieser Kunstrichtung. Ziel der Surrealisten war es, das Unterbewusstsein in Bildern sprechen zu lassen.

Voriger Artikel
Andere Perspektive auf deutsche Geschichte
Nächster Artikel
Live: Nirvana Teen Spirit

Viele Kleinformate in Reihe: Krylovs Schaffenskraft und Phantasie sind unbändig.

Quelle: Vetter

Dafür entwickelte gerade Ernst verschiedene Techniken wie das Durchreiben von Gegenstandsstrukturen auf Papier oder die Décalcomanie, also das Falten eines Papieres mit einem Farbfleck darauf. Und er erfand den Loplop, ein Vogelwesen als sein Alter Ego. Viele solcher Vogelwesen tauchen auch in den Bildern des Russen Eugeny Krylov auf. Der 36-Jährige stellt derzeit in der Galerie Alte Feuerwache in Göttingen aus.

Krylovs Figurenwelt ist prall voll mit seltsamen Gestalten. Glubschäugige Fische zeichnet er, wilde Reiter auf spitzschnabeligen Insekten, maskierte Flötenspieler, ein geckenhaft gekleideter Ziegenbock mit Pferdefuß und knopfköpfigen Jammergestalten in einem Einkaufsnetz tauchen auf – eine kleine Auswahl. Dabei verfügt Krylov über einen feinen, kultivierten  Strich. Immer wieder setzt er das Zieselierte kontrastierend gegen zugestrichene oder schlierige Flächen und bringt das Gegensätzliche mit Perfektion zur Einheit.

Schier grenzenlos scheint sein Erfindungsreichtum zu sein. Viel Phantastisches entspringt seinem Kopf. Und das bringt ihn wieder in die Nähe der Surrealisten, die er bisweilen zitiert. So tauchen neben den Loplops von Max Ernst auch die spiddeligen langen Beine auf, die Salvador Dalí einst Elefanten verpasste. Farbstrukturen erinnern an die ernstschen Frottagen, und vieles scheint auch bei Krylov assoziativ entstanden zu sein.

Vier Wochen lang lebte Krylov in Göttingen und zeichnete Tag für Tag in der Galerie, schuf neue Kreaturen, neue Gestalten. Ein manischer Zeichner, ein Mann voller Bilder, die gezeichnet werden wollen – auf alles, was ihm in die Finger fällt. Auf dem Karton eines Baumarktes beispielsweise hat er ein Bild entworfen. Er ist ein brillanter Techniker, der präzise komponiert, aber auch auf Zufall reagiert. Riesig ist die Palette seiner Sujets, vielleicht allzu groß. Ganz dicht begibt er sich an die Grenze zum „Alles ist möglich“. Als die Surrealisten diese überschritten hatten, verloren sie sich in der Beliebigkeit.

Bis 4. November montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr in der Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan in Göttingen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Tageblatt-Empfang 2012

Schlutzkrapfen, Schwarzbeeren oder Saibling vom Fuschelsee? Österreich war diesmal das kulinarische Motto des Jahresempfangs der Tageblatt-Redaktion. Jedes Jahr begrüßt Chefredakteurin Ilse Stein die Gäste an einem anderen ausgefallen Göttinger Ort: Diesmal war die Galerie Alte Feuerwache Treffpunkt für rund 150 Besucher unter anderem aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

mehr

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers