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Götz Lautenbach mit gruseligen Erzählungen im ThOP

Spiel mit der Stille Götz Lautenbach mit gruseligen Erzählungen im ThOP

Der Weg könnte besser ausgeleuchtet sein. Teile des Flures liegen im Dunkeln. Die vollen Pinnwände zeugen von lebhaften Betrieb während des Tages, aber jetzt zur Nacht wirkt das Seminargebäude für Deutsche Philologie verlassen und ein wenig unheimlich. Man wartet.

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Kämpfer: Schauspieler und Regisseur Götz Lautenbach verbreitet Grusel.

Quelle: EF

Göttingen. In der ehemaligen Notaufnahme soll die Produktion „Fieberreigen“ gezeigt werden, aber noch darf man nicht in den Zuschauerraum. Vielleicht gehört die Dunkelheit zum Konzept, schließlich geht es um Gruselgeschichten. Notaufnahme – wie viele Menschen hier wohl einst ihr Leben verloren haben? Je länger man warten muss, desto unheimlicher scheint schon dieser Ort zu werden.

Zwei gruselige Erzählungen aus den Niederlanden sind der Inhalt der Soloperformance „Fieberreigen“ am Theater im OP (ThOP). Spiel und Konzeption stammen von Götz Lautenbach. „Am Galgen hängt ein Mann“, gehört zu den ersten Sätzen, mit denen Lautenbach in die Geschichte Hoogewoerd No. 470 einleitet.

Darin experimentiert ein junger Wissenschaftler mit Leichenteilen, um den Tod zu überlisten und ein Leben nach dem Sterben zu verwirklichen. Die Erzählungen von 1847 stammt von Alexander Ver ­Huell und erinnert deutlich an Mary Shelleys Roman Frankenstein, der rund 30 Jahre vorher veröffentlicht wurde.

Wie paralysiert

Die Produktion zeichnet sich durch ihren äußerst passenden Spielort aus. Der Raum in der ehemaligen Notaufnahme wird überfangen von einer niedrigen Gewölbedecke und scheint merkwürdig abgeschirmt von den Geräuschen außerhalb, während die Geräusche aus dem Inneren des Raumes übermäßig laut erscheinen.

Wie paralysiert sitzt das Publikum da, weil jede Bewegung, jedes Rascheln der Kleidung unüberhörbar ist. Mehrmals spielt Lautenbach mit der Stille. Zuletzt, als er vom Verschwinden erzählt und dabei selbst den Raum verlässt. Eine Weile lang wartet das Publikum, aber es ist kein freudiges Erwarten, sondern ein unbehagliches. Niemand aus dem Publikum wagt es, sich zu bewegen.

Mit Fieberreigen hat Lautenbach ein Schaustück kreiert, das zeigt wie Theater im besten Fall wirken kann. Statt bloß davon zu erzählen, lässt er den Zuschauer das Gefühl von Beklemmung selbst erleben. Das schafft er durch den Raum, durch Stille und Erzählduktus, aber auch durch eine ganz besondere Art der eigenen Anordnung im Raum. Lautenbach spielt seine Performance nicht im Stehen und nicht im Sitzen. Wie genau, dass soll hier um des Effektes Willen nicht verraten werden, aber soviel sei gesagt: Es lässt einen erschaudern.

Von Daniela Lottmann

Weitere Vorstellungen: 14., 16., 18., 21. und 23. Dezember um 21 Uhr in der Notaufnahme des Theaters im OP, Käte-Hamburger-Weg 3. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.
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