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Göttinger Erstaufführung von Joseph Eyblers Weihnachtsoratorium

Willkommene Alternative Göttinger Erstaufführung von Joseph Eyblers Weihnachtsoratorium

Ein  Weihnachtsgeschenk haben Göttinger Musikfreunde bereits erhalten: die hiesige Erstaufführung des Weihnachtsoratoriums von Joseph Eybler. Der Kammerchor St. Jacobi, die Jenaer Philharmonie und vier Solisten unter der Leitung von Stefan Kordes stellten das Werk am Sonntag in St. Jacobi vor.

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Joseph Eybler, Lithographie von Johann Stadler, 1846.

Quelle: EF

Göttingen. Der Erstaufführung vorangestellt wurden zwei sehr unterschiedliche Versionen des bekannten Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch“. Felix Mendelssohn Bartholdy inszenierte 1830 die Melodie für Chor, zwei Solisten und Orchester. Die Aufführenden in St. Jacobi feierten hier mit strahlendem Ton und begeistertem Gesang die Geburt von Jesus. Ganz anders Otto Nicolai: Seine 1833 geschaffenen Vertonung wirkte wie ein dramatischer Appell an die Menschheit. Das Orchester baute eine dramatische Spannung auf. Aus ihr tauchte die bekannte Melodie immer nur kurz wie ein Lichtstrahl auf und ging in einen finalen, wuchtigen Chorsatz über. Die Gegenüberstellung dieser beiden Werke war interessant und künstlerisch sehr gelungen.

Dann das große 70-minütige Hauptwerk des Abends: Joseph Eybler (1765-1846) war ein Freund von Wolfgang Amadeus Mozart und beleuchtet in seinem Oratorium „Die Hirten bei der Krippe zu Bethlehem“ (1794) die Weihnachtsgeschichte musikalisch aus Sicht der Klassik. In dem Werk mit seinen wohlklingenden Melodien, das zur Wiener Klassik zählt, kam der diszipliniert spielenden Jeaner Philharmonie mit ihren Streichern eine wichtige Rolle zu. Der fast 40-köpfige Kammerchor setzte Glanzlichter und Betonungen. Herausragend und wirkungsvoll war dabei der kontrastierende wie auch verschmelzende Gesang weiblicher und männlicher Stimmen im „Chor der Engel“.

Eine sehr gute Wahl waren die Solisten: Sopranistin Anna Nesyba sang mit sichtbarer Freude, sicher und mit glasklarer Stimme. Ihr Rezitativ mit anschließender Arie als Stimme eines Engels war eines der vielen Glanzlichter dieses Abends. Aber auch Barbara Bräckelmann (Alt), Manuel König (Tenor) und Konstantin Heintel (Bass) überzeugten durch ihren souveränen und gefühlvollen Gesang bei den virtuosen Arien und beim melodiösen Rezitativ. Ergreifend war ihr abwechselnder Gesang, als sie gemeinsam auf der Bühne standen. Das große Werk steigerte sich final im euphorisch gesungenen Chorsatz und dem Gottes-Lob „Gott sei Ehre in der Höhe“.

Die vielen Besucher dieses Adventkonzerts applaudierten allen Beteiligten lange für ihre großartige Leistung – und auch dafür, dass sie als willkommene Abwechslung ein Weihnachtsoratorium im Stile der Wiener Klassik erleben durften.

Von Udo Hinz

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