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Göttinger Jazzfestival: Colosseum mit Jazzrock in der Musa

100 Minuten Vollgas Göttinger Jazzfestival: Colosseum mit Jazzrock in der Musa

Jon Hiseman ist hinter seiner üppig ausgestatteten Trommelbude kaum zu sehen. Aber manchmal kommt er zwischen den Liedern dahinter hervor und moderiert.

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Mit 74 Jahren immer noch viel unterwegs auf den Bühnen: Colosseum-Sänger Chris Farlowe.

Quelle: Heller

Göttingen. Hiseman war 1968 Gründungsmitglied der Jazzrock-Band Colosseum, die am Sonntagabend zum Göttinger Jazzfestival ein Konzert in der ausverkauften Musa gegeben hat. Das Publikum sehe so aus, als wenn viele Besucher schon Enkel hätten, plaudert Hiseman. Ganz falsch wird er mit dieser Einschätzung nicht gelegen haben.  Wir sind mit der Band in die Jahre gekommen. Bassist und Sänger Mark Clarke ist mit 64 Jahren der Jüngste, Sänger Chris Farlowe zählt schon 74 Jahre. Macht aber nichts. Gut 100 Minuten geben die Musiker Vollgas.

Drei Jahre lang gab es Colosseum. Sie reichten der Band für einen bemerkenswerten Bekanntheitsgrad für ihren Jazzrock, den die Musiker noch mit einigem anderen fusionierten. Erst 1994 brachte Hiseman die Musiker wieder zusammen, zunächst für ein Konzert, später wurde mehr daraus. Die endgültige Auflösung folgte im Jahr 2011. Saxophonistin Barbara Thompson, eine der ganz Großen der Szene, litt an der Parkinsonschen Krankheit. Anfang 2014 dann die gute Nachricht: Colosseum gibt wieder Konzerte – mit Thompson. In der Musa spielten sie auf, als sei nichts gewesen.

Die Kunst des Instrumentalsolos hat das Sextett über die Jahrzehnte hinweg gerettet. Teils minutenlang bearbeiten Drummer Hiseman und Gitarrist Dave Greenslade ihre Instrumente. Clarke spielt seinen Bass mit viel Hingabe und singt bei einigen Liedern ganz erstaunlich stark. Thompson ist trotz ihrer Krankheit als absolut vollwertige Musikerin dabei, und Dave Clempson ist ein feinsinniger Keyboarder.

Ganz erstaunlich tritt Farlowe auf. Der Sänger stieß 1970 zur Band und brachte Rythm ’n’ Blues mit. Diese Fahne hält er auch heute noch hoch, vielleicht nicht mehr ganz so stimmgewaltig wie früher, dafür aber weiterhin sehr facettenreich und schön verspielt. Das Publikum klatschte am Ende tatsächlich begeistert für diesen mitreißenden Abend der Erinnerung.

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