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Göttinger Knabenchor mit Benefizkonzert in St. Albani

Bemerkenswertes stimmliches Potenzial Göttinger Knabenchor mit Benefizkonzert in St. Albani

Wenn ein Chor ein Konzert zugunsten eines Glockenprojekts gibt, liegt ein Programmpunkt auf der Hand: Ludwig Senfls „Glaut zu Speyer“. Der Renaissancekomponist malt das „Gling Glang“ der Glocken, wie es bei ihm heißt, mit sechs Stimmen.

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Eindrucksvoll beim dreistimmigen Kanon „O virgo splendens“: der Göttinger Knabenchor.

Quelle: Heller

Göttingen. Mit diesem erfrischend munteren Gesang eröffnete der Göttinger Knabenchor am Sonnabend sein Benefizkonzert in St. Albani, nachdem die Sänger unter der Leitung von Michael Krause zuvor mit dem traditionellen „Alta Trinita beata“ in die gut besuchte Kirche eingezogen waren.

Drei Abschnitte umfasste das Programm, das durch drei Orgelstücke von Johann Sebastian Bach (wie immer sehr zuverlässig: Arwed Henking) bereichert war. Im ersten Teil gab es englische Chorsätze des 16. und 17. Jahrhunderts zu hören, im zweiten Teil Mariengesänge, im dritten das „Ubi caritas“ aus der Gründonnerstagsliturgie und zwei Lobgesänge von Mendelssohn und Nystedt. Ein Marienlied wurde solistisch vorgetragen: Schuberts „Ave Maria“, das der Tenor Leopold Schmarsel mit viel Ausdruck und edlem Stimmklang sang.

Im Chor sind derzeit besonders viele neue Gesichter auszumachen: Infolge des Stimmwechsels sind etliche Sopran- und Altstimmen nun in Tenor und Bass übergewechselt, sodass derzeit die Männerstimmen besonders zahlreich vertreten sind. Unter den neu hinzugekommenen Knabenstimmen waren noch nicht alle ganz vertraut mit ihren Aufgaben, was sich aber kaum störend bemerkbar machte. Immer sangen auch sie mit bemerkenswerter Frische und vollem Einsatz.
Zwei Stücke aus dem Programm seien besonders hervorgehoben. Sehr eindrucksvoll gestalteten die Sänger den dreistimmigen Kanon „O virgo splendens“ und das Virelai „Maria matrem“ aus dem „Llibre Vermell“, einer Handschrift des 14. Jahrhunderts, die im Kloster Montserrat bei Barcelona aufbewahrt wird.

Diese frühe Musik lässt das mittelalterliche Mönchsleben akustisch wieder auferstehen. Zweiter Gipfelpunkt dieses Abends war Mendelssohns klangprächtige Psalmvertonung „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, die mit mitreißender Inbrunst vorgetragen wurde. Wenn in einiger Zeit die Neulinge noch mehr Sicherheit gewonnen haben, wird der Göttinger Knabenchor über ein bemerkenswertes stimmliches Potenzial verfügen – eine schöne Aussicht für den Dirigenten wie für das Publikum.

Von Michael Schäfer

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