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Göttinger Künstlervereinigung präsentiert Aktuelles

Ausstellung Göttinger Künstlervereinigung präsentiert Aktuelles

„Schwebend“ - so lautet das Motto, das sich die Mitglieder des Kreises 34 für ihre Jahresausstellung gewählt haben. Allerdings: Nicht alles schwebt bei der Schau im Künstlerhaus Göttingen. Doch einiges kommt wunderschön federleicht daher. Anderes dagegen zeigt sich schwergewichtig, weil es hochpolitisch ist.

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Zart und filigran: der Vogelschwarm von Mina Farjadi, gefertigt aus gepressten Pflanzenteilen.         

Quelle: Heller

Göttingen. Mit einem mächtigen Bug schiebt sich das Boot ins Bild an der Stirnwand des Weißen Saales. Die Arche, das wird schnell klar. Menschenmassen sind in ihr und auf ihr zu sehen, Aufnahmen von Flüchtlingen, die heute an unsere Tür klopfen und wohl auch von jenen, die während des Zweiten Weltkriegs oder danach zu uns kamen. Roxana Zenhari hat diese Bild gemalt, und sie hat gelernt, was sie da tut. Das ist zu sehen. Sie stammt aus dem Iran, Fluchtgedanken sind ihr kaum fremd. Vor dem Bild hängen kleine Häuser von der Decke. Einladend sehen sie aus wie sie da schweben. Doch keines von ihnen ist mit einer Tür ausgestattet. Flüchtlinge bleiben draußen. Überdeutlich ist Zenhari das Thema angegangen, doch ihre Kunst funktioniert dennoch.

 

Sehr feinsinnig hat sich Mina Farjadi mit dem Thema befasst. In ihrem Triptychon schwebt nicht nur ein Vogelschwarm, die Landschaft darunter ist von filigraner Brillanz, geradezu monumental in ihrer Zartheit. Und die  Kunst der Deutsch-Iranerin verfügt über ein Alleinstellungsmerkmal: Farjadi fertigt sie aus Naturmaterialien, aus getrockneten Blättern, Blüten und Zweigen.

 

Lautsprecherisch und raumgreifend kommen dagegen die Stahlskulpturen von Frank Helge Steuer daher. Um die flächigen Menschenposen zum Schweben zu bringen, hat er sie schlicht auf ein mehrfach zwischen Säulen hin- und hergespanntes Drahtseil drapiert.

 

Ingenieurskunst steht auf dem Sockel zu lesen, der eine Holzskulptur trägt. Wuchtig steht die gebogene Stele da und zeigt mit ihrer Spitze auf einen ganz leichten, schwebenden Lindensamen. „Alles Leben hängt … am seidenen Faden“ hat Benjamin Peters seine Werk genannt, das er mit einer Fotografie zu einer Installation erweiterte. Wieder zurück im Weißen Saal erwartet die Besucher noch eine kleine, aber um so feinere Interpretation des Themas. Greta Mindermann-Lynen hat die Flüchtigkeit von Erinnerungen ins Bild gesetzt. Gesammelte Gegenstände hat sie in ein Weckglas gesteckt und fotografiert. Herausgekommen sind Bilder wie  Erinnerungsreste. Ganz leicht eigentlich.

 

Bis 15. November dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1.

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