Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Göttinger Kultursommer: Pigor und Eichhorn im Alten Rathaus

Kabarett- und Chanson-Duo Göttinger Kultursommer: Pigor und Eichhorn im Alten Rathaus

Mal witzig-ironisch, mal bissig-böse, dann bebend vor Zorn: Das Berliner Kabarett- und Chanson-Duo „Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten“ hat am Sonntag 250 Göttinger Zuschauer im Alten Rathaus blendend unterhalten. Als die beiden das Licht für einen Powernap löschten, wurde heftig gemurrt.

Voriger Artikel
Neues von Edgar Wallace
Nächster Artikel
Kultband Tito & Tarantula in der Göttinger Musa

Das Chanson-Duo „Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten“ im Alten Rathaus in Göttingen

Quelle: PH

Göttingen. Verlegenes Lachen, aufgeregtes Tuscheln, gespieltes Schnarchen: Dass Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn tatsächlich drei Minuten lang das Publikum im Dunkeln sitzen ließ, sorgte erst für Verwirrung, dann für Empörung. „Sie erleben jetzt Theatergeschichte, dass hat es noch nie auf der Bühne gegeben“, hatte Pigor zuvor geworben. Ein Scherzbold brüllte in die Finsternis: „Nimm die Hand weg!“ Einer machte Kussgeräusche. Andere versuchten mit Trampeln und Klatschen das Duo aus ihrem Kurzschlaf zu wecken. Vergebens.

 

Nach dem Experiment gab sich Pigor zerknirscht. „Nun ist die Stimmung auf dem Nullpunkt“, jammerte er. Und riss dann gemeinsam mit Eichhorn am Flügel sein Publikum mit einer Volksmusik-Nummer über den amerikanischen Geheimdienst NSA wieder mit. Was tun, wenn alle Gespräche abgehört werden? Pigors Tipp: Europa muss seine 1300 kleinen Sprachen wieder entdecken. Der Berliner ließ sich von den Zuhörern den Satz „Wo willst du dein Heu hinhaben“ in ihren Heimatdialekt übersetzen. Die Resonanz war groß, die Heiterkeit wuchs. Pigor: „Das versteht in den USA niemand.“

 

Der Kabarettist lästerte über den leisesten Flughafen der Welt (Berlin). Er imitierte in einen roten Armsessel gelümmelt den selbstgerechten virtuellen Mob, der über alle herfällt, die ihm nicht passen. Kräftigen Applaus gab es für den Chanson über Familienväter, die als „Hausschweine und Mülleimer“, die Teller der Kinder leer essen, den Terror pubertierender Veganer ertragen und von ihren Frauen für ihre Wampe verachtet werden.

 

Gut an kamen eine Reihe von dreiminütigen Kurzvorträgen über Themen, „die niemanden interessieren“, so Pigor. Eichhorn lief zu Hochform auf. Er referierte über die Geschichte der doppelten Buchführung und über die Musik Richard Wagners. Pigor gab dem Publikum einen Crashkurs in der Hilfssprache Esperanto. Im Publikum fand das Duo jedoch niemanden, der seinerseits für einen Vortrag nach vorne kommen wollte. Die beiden unterbrachen die Aufführung, um eine Runde Wodka für alle zu spendieren. Doch auch der Kartoffelschnaps vermochte die Zungen der Göttinger nicht zu lösen.

 

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff