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Sehnsuchtsziel Europa

Patrick Kingsley beim Literaturherbst Sehnsuchtsziel Europa

„Die neue Odyssee“ heißt das Buch des Briten Patrick Kingsley, das er bei der Wissenschaftsreihe des Göttinger Literaturherbstes am 21. Oktober vorstellt. Der Journalist traf und begleitete über ein Jahr hinweg Migranten, Helfer und Profiteure in 17 Ländern auf drei Kontinenten.

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Der Autor und Journalist Patrick Kingsley.

Quelle: r

Göttingen. Im englischsprachigen Raum ist Kingsley bekannt für seine prämierten Artikel für den Guardian. Als Sonderkorrespondent hatte er die Freiheit und das Budget, ein Jahr lang und über drei Kontinente hinweg, sich mit der Realität von Migration zu beschäftigen. Kingsley machte sich selbst ein Bild, er reiste nach Niger, traf sich mit Schleppern, er war mit den Ärzten ohne Grenzen auf dem Meer unterwegs und besuchte Europas Grenzschutzagentur Frontex.

Der 1989 geborene Autor war mit den Flüchtlingen unterwegs in der Sahara, in den Hafenstädten Libyens und der Türkei, auf dem Mittelmeer und der Balkanroute, auf dem weg durch Frankreich und Deutschland. Der junge britische Journalist sprach mit Migranten, mit Helfern und mit Profiteuren der Krise wie dem Menschenschmuggler Haji oder der schwangeren Fattemah Abu al-Rouse. Und seine Hauptperson, Hashem, einen Syrer, begleitet Kingsley auf seinem Weg von Ägypten bis nach Schweden. Er trank selbstgebrannten (und verbotenen) Schnaps mit dem libyschen Menschenschmuggler Haji, der einmal Jurastudent war, marschierte mit Fattemah Abu al-Rouse, der schwangeren syrischen Lehrerin, die befürchtete, ihr Kind zu verlieren, durch die Wildnis des Balkans, war an Bord eines Bootes im Mittelmeer.

Der Reporter schildert, wie das Multi-Millionen-Dollar-Geschäft mit dem Menschenhandel in Libyen, der Türkei und Ägypten organisiert wird. Er zeigt, wie lokale Kaufleute und korrupte Politiker in Italien vom Elend der Menschen profitieren. Und macht deutlich, dass es für die Migranten um das nackte Überleben geht, nicht um Politik oder „Wir schaffen das“.

Über seine Erfahrungen auf den Fluchtrouten und das Sehnsuchtsziel Europa spricht Kingsley am Sonnabend, 21. Oktober, um 19 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14, mit Steven Vertovec vom Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften. Das Buch „Die neue Odyssee“ ist im C.H.Beck-Verlag erschienen (332 Seiten, 21,95 Euro). chb

Von Christiane Böhm

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