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Willkommen auf Insel

Cees Nooteboom im Deutschen Theater Willkommen auf Insel

Kaum ist die Frankfurter Buchmesse vorbei, geht es in Göttingen weiter mit Literatur, Lesungen und Cees Nooteboom. Der 1933 geborene Niederländer hat beim Göttinger Literaturherbstes im Deutschen Theater aus seinem Neuling „533 Tage – Berichte von der Insel“ gelesen.

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Cees Nootebohm (rechts) mit Moderator Joachim Dicks.          

Quelle: Heller

Göttingen. Im Gespräch mit Joachim Dicks von NDR Kultur bekennt er: „Ich kann nicht wählen zwischen meinen Kindern“, und Nootebooms Kinder sind seine Bücher. 1954 erschien sein erster Roman „Philip und die anderen“, danach habe er erst einmal als Seemann angeheuert und sei nach Südamerika gereist, erklärt der Autor, Erzählungen sind dabei entstanden. Er habe damals begriffen, dass er erst wieder leben und reisen müsse, bevor die Einfälle wiederkämen. Mit dem dritten Buch, dem Roman „Der Ritter ist gestorben“ habe er sehr gekämpft, es sei aber für ihn sein wichtigstes.

Das Buch:

Cees Nootebohm: „533 Tage – Berichte von der Insel“, Suhrkamp, 255 Seiten, 22 Euro.

Von 2014 bis 2016 führte der Autor mit Wohnsitz auf Menorca ein Inseltagebuch, 533 Tage lang. Eine zentrale Rolle spielt sein Garten und dessen pflanzliche und tierische Bewohner, und er stellt auf sich bezogen selbstkritisch und humorvoll fest: „80 Jahre und keine Ahnung von Spinnen, Kakteen und Schildkröten.“ Präzise, manchmal allzu ausführliche Beobachtungen und ein staunender Umgang mit dem, was er in seinem Garten entdeckt, prägen die vorgetragenen Passagen. So schreibt keiner, der – wie so mancher Autor seines Alters – sprichwörtlich die Weisheit mit Löffeln gefressen hat.

Assoziativ  streift er durch seinen Garten und seine Gedankenwelt und bezieht scheinbar nebenbei Werke großer Kollegen von Elias Canetti bis James Joyce ein. Stets beginnt es mit einer kleinen Beobachtung, die sich zu etwas Größerem entspinnt. Es gibt viele autobiographische Anklänge wie die anrührende Erinnerung an seinen 1945 verstorbenen Vater, der im Hungerwinter 1944/45 auf dem Dach ihres Hauses in Den Haag aus Hunger  versuchte, Möwen zu fangen. Während er – sprachlich sehr poetisch – eine Motte auf seinem Grundstückstor beobachtet oder seinen Kakteen beim Aufblühen zusieht, stellt er sich gleichzeitig die philosophische Frage, was eigentlich ein großes Ereignis ist. Das Thema Europa und seine Bedenken hierzu  lässt er an diesem Abend gänzlich aus. Er verweilt lieber im andächtigen Staunen über seinen Garten.

Von Marie Varela

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