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Göttinger Literaturherbst: Max Goldt stellt sein Buch vor

Respect? Respekt! Göttinger Literaturherbst: Max Goldt stellt sein Buch vor

Da läuft er. Lustwandelnd an allerlei Kutschen und feinen Damen vorbei, flanierend im besten Ausgehrock. Gute Manieren. Dann sitzt er als strenger Lehrer der Klasse vor, adäquate Ausdrucksweise, guten Benimm einfordernd. Schwer vorstellbar ist im Gegensatz dazu ein Gutmensch Max Goldt, ein Professor der Toleranz, der für das soziale Projekt einer bunten Gesellschaft seinen Wertekanon ad acta legt.

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Gute Manieren: der Schriftsteller Max Goldt.

Quelle: Vetter

Göttingen. Das wurde beim Literaturherbst deutlich, bei der ersten Göttinger Lesung des aus Weende stammenden Überzeugungstäters in Sachen Nonchalance seit vier Jahren. Die meisten der 300 Zuhörer im ausverkauften Saal des Alten Rathauses, darunter viele Studenten, aber auch einige ältere Semester, fühlten sich am Ende mutmaßlich besser.

Es ist kein Stefan-George-Kreis, der sich versammelt hat. Ein bisschen Dünkel, ein ansatzweise hochnäsiger Blick auf die Auswüchse einer aus den Fugen geratenen Moderne liegt gleichwohl in der Luft. Gut so! Lustvoll, die Neurosen der Spaßgesellschaft demütigend, erheben sich der Autor und seine Jünger über das Idiotentum des Banalen.

Über gesammelte Hotelkommentare deutscher Urlauber. „Das Frühstücksbuffet wirkte hingerotzt.“ Stundenlang werden vor der Buchung im Internet abgebildete Waschbecken verglichen. Warum nur, warum?

Ich verlange Respekt

„Ich verlange Respekt, aber nicht diesen Hip-Hop-Quatsch von Respect“, heißt es in einem Text. Genau! Die Verwässerung der Sprache und seiner Bedeutung stören einen wie Goldt, dessen Diktion dagegen kristallin wirkt. Von „Überlegenheitsgefühlen der Intelligenz“ spricht der 55-Jährige an anderer Stelle, und auch das ist ein Gesichtspunkt. Sollte man sich dümmer machen, als man ist, um dazuzugehören? Nein, meint der personifizierte Kontrapunkt des Seichten.

Leidend beobachtet, pedantisch notiert, messerscharf seziert und eindringlich erzählt, ist das alles so komisch, dass sich das Publikum köstlich amüsiert. „Keine Goldt-Lesung darf verstreichen ohne einen spracherörternden Text“, stellt der Autor klar, um, seiner Paradedisziplin frönend, Redundanz-Verdächtige wie „von daher“ und „insofern“ zu geißeln.

Die Besucherin, die in der Pause zu ihrem Begleiter sagt „Wir haben alles richtig gemacht“, hat bei Goldt möglicherweise keinen Stein im Brett. Er fände das nicht wirklich gut – und diese trendy-hippe „nicht wirklich“-Konstruktion schon gar nicht. Schön, dass es einen wie Max Gold gibt. Man kann ihm folgen, ohne ihm folgen zu müssen.

Max Goldt: „Chefinnen in bodenlangen Jeansröcken“, Rowohlt, 144 Seiten, 25 Euro.

Von Eduard Warda

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