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Strunks goldener Handschuh

Literaturherbst Strunks goldener Handschuh

Freitagsabend kann man sich in die Kneipen der Stadt begeben. Oder man geht zur Lesung von Heinz Strunk. In seiner Geschichte über Fritz Honka gehört Kneipenatmosphäre dazu. Der Hamburger Autor stellte seinen Roman am Freitag im Alten Rathaus vor.

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Heinz Strunk

Quelle: SPF

Göttingen. „Der goldene Handschuh“ ist eine Kneipe im Kiezviertel Hamburgs. Strunk selbst sei dort einige Male verkehrt und begeistert gewesen von der Varietät ab Menschen, die jeden Abend in der „Absturz-Kneipe“ aufeinandertreffen. Daraus musste eine Geschichte werden. Aber einen Anekdotenroman mit Kneipenschnack und atmosphärischen Szenen sei dem Schriftsteller, Schauspieler und Musiker zu langweilig gewesen. So hörte er vom Stammgast Fritz Honka, Alkoholiker und vierfacher Vergewaltiger und Mörder. Seine Vita ist der Aufhänger für den Roman, der der erste nicht-autobiografische Strunks ist.

Info

Heinz Strunk: "Der goldene Handschuh". Rowohlt, 19,95 Euro.

So reihen sich die Geschichten des Mannes mit dem ‚schiefen‘ Gesicht aneinander. Dieser trifft auf die Sonderlinge im goldenen Handschuh, darunter auch seine späteren Opfer. Begleitet von unzähligen Fanta-Korn (Fako) spitzt sich die Geschichte zu. Honka wird verzweifelter, weil er merkt, dass der Wunsch vom besseren Leben vergebens ist. Getrieben von krankhafter sexueller Gier und einer verzerrten Selbstwahrnehmung endet die Geschichte – so wie auch in der Realität – für Honka mit 15 Jahren Gefängnis und einer lebenslangen erfolglosen Psychobehandlung.

Deprimierte Geschichten von ebenso deprimierten gebe es aber genug. Und so macht Strunk gerade mit seiner Lesung klar, dass der Roman auch ein klar humoristischer ist. Trotzdem hat der Roman einen bitterernsten Plot: er macht klar was für ein labiler Psychopath aus Honka wurde um jene Taten zu begehen für die er später verurteilt wurde. Das liegt auch daran, dass sich Epilog, Postskriptum und viele Details auf die tatsächlichen Prozessakten stützen. Neben der Archivrecherche und solcher in Redereien Hamburgs habe zum Roman aber auch die mindestens 150 Abende des Selbststudiums im ‚Goldenen Handschuh‘ Strunks geholfen, verkündet dieser am Freitag bei seiner Lesung mit einem Zwinkern. Seine Schauspielkünste kommen ihm dabei zu Gute. Er zeigt durch seinen Vortrag die Vielschichtigkeit seines Romans. Ein Besuch einer Lesung bei Heinz Strunk lohnt sich in jedem Fall.

Von Leslie Wathsack

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