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Göttinger Projektchor mit geistlicher Chormusik

Ernst und zugleich leicht Göttinger Projektchor mit geistlicher Chormusik

Es war ein Abend der sanften Töne und Klänge: geistliche Chormusik zwischen hingebungsvollem Gebet und sphärisch klingender Meditation. Der Chor ProCant verzauberte mit "Luminous Night of The Soul" am Sonnabend die Besucher in St. Michael. Das Publikum feierte die Premiere mit Standing Ovations.

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Der Projektchor bei einem Auftritt in der Kirche St. Nikolai.

Quelle: Heller/Archiv

Göttingen. Das Göttinger Ensemble ProCant erarbeitet seit 2005 unter der Leitung von Stephan Diedrich geistliche und weltliche Chormusik. Das aktuelle Projekt zeigt welch ergreifende Kirchenmusik die vergangenen Jahrzehnte hervorgebracht haben: Auf dem Programm standen mit Ausnahme von Gabriel Fauré (1845-1924) die zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins (*1944), Morten Lauridsen (*1943) und Ola Gjeilo (*1978). Der rund 40-köpfige Chor wurde dabei von einem Streichquartett und Piano begleitet. 

Thema das zu Herzen geht

Die Werke des Abends vereint eine raumgebende Reduktion, die die Musik noch mehr wirken lässt. Ein Beispiel ist Karl Jenkins " Benedictus", ein Werk dessen Text aus nur neun Wörter besteht. Eva Veith intoniert auf dem Cello ein zu Herzen gehendes Thema aus dessen einfachem Motiv im Wechsel helle Frauen- und warme Männerstimmen auftauchen, sich steigern und doch im kontemplativen Duktus bleiben.

Morton Lauridsons Chorwerk "Ubi Caritas et Amor" greift auf den versunkenen Unisono-Gesang der Gregorianik zurück und lässt parallel die unterschiedlichen Stimmlagen des Chores vital strahlen. Den ruhigen Charakter des Abends verstärkt das präzise spielende Streichquartett mit einer getragenen Interpretation von Johann Sebastian Bachs bekanntem "Air" aus der Orchestersuite Nr. 3.

Ein Glanzpunkt des Abends

Herausragend sind die drei Chorwerke des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. In seinem Werk "The Ground" schreitet der Chor zu immer höheren Klangsphären fort, so als strebe er dem Himmel entgegen. Im "Evening Prayer" tritt der Saxofonist Tobias Jakobi in den Dialog mit den Vokalisten. Erst soliert er auf dem Tenorsaxofon beseelt, verschmilzt später mit den Chorklang und taucht dann wieder improvisierend aus ihm auf - ein Glanzpunkt des Abends. Abschließend steigert das Vokalensemble das komplex-polyphone Werk "Luminous Night of The Soul" zu einer sich mit Gott verbindenden Hymne. 

Nach einer Stunde ist das Konzert vorüber. Erst dann entlud sich die Ergriffenheit der Zuhörer in stürmischem Applaus. Vielleicht war die Begeisterung so groß, weil der Chor etwas Außergewöhnliches geschaffen hatten: Seine Musik war ernst und zugleich leicht, sie war erhebend und führte doch in die Tiefe.

Von Udo Hinz

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