Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Göttinger Reihe Historischer Musik

Hendrix auf dem Cembalo Göttinger Reihe Historischer Musik

Ein Barock-Ensemble spielt Jimi Hendrix. Da müssen selbst die Musiker des niederländischen Quartetts Scaramuccia lachen. Bei ihrem Auftritt beim Nachwuchswettbewerb der Internationalen Händel-Festspiele trugen sie „Purple Haze“ vor. Das Publikum applaudierte begeistert.

Voriger Artikel
Politisch und kontrovers
Nächster Artikel
„2030 – Odyssee im Leeraum“ im Jungen Theater Göttingen

Experimentierfreudig. Scaramuccia aus den Niederlanden

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Rockmusiker Hendrix hat in der Londoner Brook Street ein Haus weiter gelebt als Jahrhunderte zuvor Georg Friedrich Händel“, erzählt der Gründer der Gruppe, Javier Lupiánez. Als Hendrix von seinem berühmten Nachbarn erfuhr, kaufte er alles von Händel, was er bekommen konnte. Heute erinnern zwei Museen in den Gebäuden an die beiden. Durch einen Wanddurchbruch sind die Räume miteinander verbunden.

Zum Thema „Verbindungen“ hat Scaramuccia ihr Wettbewerbsprogramm zusammengestellt. „Da passt Hendrix“, meint Lupiánez. Er arrangierte „Purple Haze“ für zwei Violinen, Violoncello und Cembalo. „Das Stück gehört im Werk des Musikers noch zu den am meisten strukturierten Kompositionen“, so der aus Spanien gebürtige Künstler. Der Violinist gründete Scaramuccia 2013 mit Kommilitonen, die er vom gemeinsamen Studium am Königlichen Konservatorium in Den Haag kannte, darunter die Spanierin Inés Salinas (Violoncello) und die Portugiesin Patrícia Vintém (Cembalo). In Göttingen ist auch Giorgos Samoilis (Violine) dabei.

Benannt hat sich das Ensemble nach einer Figur der Comedia del Arte, einem Aufschneider und Großmaul. „Anfangs war die Rolle mit einem spanischen Kapitän besetzt, dann vertauschte die Figur den Säbel mit der Gitarre“, berichten die Musiker. Der Name ist Programm. Die Gruppe ist offen für Musik, die im 17. und 18. Jahrhundert auf den Straßen und in den Tavernen erklang. In Göttingen spielten sie virtuos und mit viel Leidenschaft unter anderem auch keltische Folklore.

Da gab es vom italienischen Musiker Francesco Xaverio Geminiani, der wie Händel in London lebte, mit diesem aber zerstritten war, das schottische Stück „Last time I come over the Moor“ zu hören. „Geminiani lobte es in seinem Buch über den guten Geschmack in der Kunst der Musik als beispielhaft“, berichten die Musiker während der Einführung ins Programm vor dem Konzert. Von Händel interpretierten sie unter anderem das Werk „Der arme irische Junge“.

Antonio Vivaldi, auf den sich Lupiánez während seines Studiums spezialisierte, ist mit „La Follia“ vertreten. Der junge Händel hatte Vivaldi in Italien im Konzert spielen hören. Für die Triosonate a-Moll von Georg Philipp Telemann entschied sich die Gruppe, weil sich Händel von ihr inspirieren ließ. Am Ende erklatscht sich das Publikum zwei Zugaben: darunter ein zweites Mal Purple Haze.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff