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Göttinger Stadtkantorei präsentiert Bachs Johannespassion

110 Kehlen Göttinger Stadtkantorei präsentiert Bachs Johannespassion

Sie ist nicht so gewaltig wie ihr meisterhaftes Schwesterwerk, auch rund eine Stunde kürzer – viele Musikfreunde schätzen vielleicht gerade deshalb Bachs Johannespassion höher als die „kolossale“ Matthäuspassion.

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Göttinger Barockorchester begleitet die Göttinger Stadtkantorei.

Quelle: Heller

Göttingen. Am Sonntag präsentierte die Göttinger Stadtkantorei in der Kirche St. Johannis unter der Leitung von Bernd Eberhardt dieses Werk in einer atmosphärisch ungewöhnlich dichten Aufführung.

Eberhardt zielt stets auf besonders klar konturierte, durchsichtige musikalische Strukturen – kein Kinderspiel mit einem Chor, der in dieser Aufführung rund 110 Kehlen stark war. Dafür ist neben hoher Disziplin und Intonationssicherheit eine ausgeklügelte Textartikulation nötig. Nur auf diese Weise lassen sich die raschen Choreinschübe im Text der Passionsgeschichte angemessen darstellen, etwa Rufe des Volkes wie „Bist du nicht seiner Jünger einer?“ oder „Kreuzige, kreuzige“. Dank der sorgfältigen Einstudierung und des konzentrierten Engagements der Choristen war dies durchweg gewährleistet. Darüber gab es eine erstaunliche dynamische Spannweite im Chorklang, die vom machtvollen Forte im Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ bis zum zarten Piano des „Ruht wohl“-Chors am Ende reichte.

Solistisches Rückgrat einer „Johannespassion“-Aufführung ist die Evangelistenpartie. Clemens C. Löschmann gestaltete sie mit seinem wunderbar flexiblen, schlanken Tenor hinreißend. Seine Gestaltung der Textstelle „und weinete bitterlich“ ließ schier den Atem stocken. Sehr edel und volltönend sang Jonathan de la Paz Zaens die Christusworte, Konstantin Heintel war der kluge Interpret der Bass-Arien. Das weibliche Gegengewicht bildeten der eher zarte Sopran von Olivia Stahn und der schön timbrierte Alt von Franziska Kimme. Ergänzt wurde das Solistenensemble durch den sehr zuverlässigen Choristen Matthias Krüger.

Mit dem Göttinger Barockorchester hatte Eberhardt ein Instrumentalensemble gewählt, das große Erfahrungen in historischer Aufführungspraxis mitbringt und haargenau zum eingangs erwähnten musikalischen Konzept passt: Es spielte schlank und durchsichtig, war enorm beweglich, die Continuogruppe bildete das perfekte musikalische Gegengewicht zu den Rezitativen des Evangelisten. Und die instrumentalen Soli waren denen der Gesangssolisten ebenbürtig, keine Frage. Eine bewegende Aufführung, die lange im Gedächtnis bleiben wird.

Von Michael Schäfer

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